# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1892_S12 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 12 Verhandlungen der vierzehnten Verſammlung alles auch durch die Erbſünde vergiftet und verunreiniget wird, daß es vor Gott nichts taugt." Alle Menſchen ſind alſo mit der Erbſünde, die wirklich Sünde iſt und unausſprechliches Verderben der ganzen menſchlichen Natur in ſich ſchließt, behaftet, ſomit auch diejenigen Menſchen, welche verloren gehen. Dies war aber die erſte Behauptung vorliegender Theſe. Die andere iſt die, daß um der Erbſünde willen ſchon dieſelben der Verdammniß verfallen ſind. Davon hätten wir nun zu handeln. II. Die Wahrheit letzterer Behauptung ergibt ſich aus der Wahrheit der erſteren. Denn ſind, wie alle Menſchen, ſo auch die Verlorengehenden mit der Erbſünde behaftet, und iſt dieſe wirklich Sünde, ſo müſſen, wie alle Menſchen, auch ſie der Verdammniß verfallen ſein, und zwar nicht etwa nur wegen der aus der Erbſünde entſpringenden wirklichen, mit Frei⸗ heit und Bewußtſein begangenen Thatſünden, ſondern ſchon wegen ihres erbſündlichen Verderbens, weil ſie vom Fleiſch als Fleiſch geboren ſind. Die Schrift bezeugt: „Gott iſt heilig" — „Gott iſt nicht ein Gott, dem gottlos Weſen gefällt, wer böſe iſt bleibt nicht vor ihm." — „Der Tod iſt der Sünde Sold." Dem erſten Menſchen drohte Gott im Uebertretungs⸗ falle mit Tod, Verſtoßung von ſeinem Angeſicht, mit Verdammniß, und der Tod kam auch über ſie, als ſie ſein Gebot übertraten. Wiederholt hat Gott hernach denen den Fluch gedroht, die ſein Geſetz nicht halten würden. Wie könnte Gott an den Menſchen, die nun Fleiſch ſind, die als ſündige Menſchen geboren werden, Gefallen haben, wie könnte er mit ihnen in Ge⸗ meinſchaft bleiben? Nach ſeiner Heiligkeit und nach ſeiner Drohung muß ſein Zorn auf ihnen ruhen, müſſen ſie unter ſeinem Fluche liegen, müſſen ſie dem zeitlichen und ewigen Tode, der Verdammniß verfallen ſein. Die Schrift bezeugt dies auch ausdrücklich. So heißt es Eph. 2, 3.: „Wir waren auch Kinder des Zorns von Natur." Ich erlaube mir den Nachweis aus dieſer Stelle aus Philippi beizubringen, der in ſeiner Glaubenslehre III, 203 alſo ſchreibt: „Dieſe ſelbſtſüchtig⸗ſinnliche Verderbniß der menſchlichen Natur, welche mit dieſer Natur ſelbſt auf dem Wege der Zeugung ſich fort⸗ pflanzt, begründet nun ferner nach der Lehre des Neuen Teſtaments ſchon an und für ſich ſelber ein Verhältniß der Schuld vor dem göttlichen Forum. Iſt es gewiß, daß die heilige Schrift keine Sünde ohne Schuld (reatus) kennt, wie denn auch der Apoſtel Johannes 1 Joh. 3, 4. die Sünde als ἀνομία, alſo als Geſetzwidrigkeit und demnach als zurechenbare Verſchul⸗ dung bezeichnet, und bezeichnet der Apoſtel Paulus Röm. 7, 7. ſchon die ἐπιθυμία als vom Geſetz verpönte und aufgedeckte Sünde: ſo folgt von ſelbſt, daß auch die angeborne böſe Luſt und Neigung ſchon an ſich ein ſchuld⸗ und ſtrafbares Vergehen, das die Sünde in jeglicher Form und Geſtalt, alſo nicht nur in der entwickelten Form der bewußten That, ſondern