# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1892_S10 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 10 Verhandlungen der vierzehnten Verſammlung fließende Quelle zahlloſer Sünden beſchreibt der HErr die Erbſünde, wenn er ſpricht: „Weß das Herz voll iſt, deß geht der Mund über. Ein guter Menſch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz ſeines Herzens, und ein böſer Menſch bringt Böſes hervor aus ſeinem böſen Schatz", Matth. 12, 34. 35.; und an einer andern Stelle: „Aus dem Herzen kommen arge Ge⸗ danken, Mord, Ehebruch, Hurerei, Dieberei, falſch Zeugniß, Läſterung", Matth. 15, 19. Und beides zuſammenfaſſend, gänzliches Unvermögen zu irgend welchem Guten, und Fruchtbarkeit zu allem Böſen, ſchreibt Paulus von den unter der Sünde Seienden: „Da iſt nicht, der gerecht ſei, auch nicht einer; da iſt nicht, der verſtändig ſei, da iſt nicht, der nach Gott frage; ſie ſind alle abgewichen und allzumal untüchtig geworden; da iſt nicht, der Gutes thue, auch nicht Einer. Ihr Schlund iſt ein offenes Grab, mit ihren Zungen handeln ſie trüglich, Otterngift iſt unter ihren Lippen, ihr Mund iſt voll Fluchens und Bitterkeit. Ihre Füße ſind eilend, Blut zu vergießen, in ihren Wegen iſt eitel Unfall und Herzeleid, und den Weg des Friedens wiſſen ſie nicht. Es iſt keine Furcht Gottes vor ihren Augen." Damit iſt aber nur weiter ausgeführt, was geſchrieben ſteht 1 Moſ. 8, 21.: „Das Dichten des menſchlichen Herzens iſt böſe von Jugend auf." Die Lehre von der Erbſünde iſt ein Glaubensartikel und, wie bei andern Glaubens⸗ artikeln, gilt es auch bei dieſem, die Vernunft gefangen zu nehmen unter den Gehorſam des Glaubens. Denn obwohl die Vernunft des natürlichen Menſchen aus eigener und anderer Menſchen Erfahrung erkennt, daß allen Menſchen ein beſtändiger Hang und Trieb zum Böſen innewohnt, wie ſelbſt Heiden dies ausgeſprochen haben, ſo weiß ſie doch nichts von dem Urſprung dieſes Hangs, nichts von ſeiner Größe, nichts von ſeiner Sündlichkeit, nimmt neben dem Böſen noch Gutes im Menſchen an. Wohin es ſelbſt mit einem Lutheraner kommen kann, wenn man der Vernunft hier Freiheit läßt, iſt an einem Kahnis zu ſehen, welcher in ſeiner Dogmatik II, 137 ſchrieb: „Die Schriftlehre, daß durch Adams Fall in allen Menſchen die Sünde die Herrſchaft gewonnen hat, übertreibt Auguſtin zu einer Doctrin von der gänzlichen Erſtorbenheit des natürlichen Menſchen zum Guten. . . . Die Schrift lehrt und die Erfahrung bezeugt, daß im natürlichen Menſchen ein Zug zum Wahren, zum Guten, zum Frie⸗ den iſt" ꝛc. Auch in anderer Hinſicht iſt bei dieſem Artikel der Vernunft das Schließen zu unterſagen. Es ſcheint derſelben nämlich, als ob nur eins möglich ſei, daß entweder Gott nicht der Schöpfer des mit Sünde behafteten Menſchen ſei, oder daß er der Urheber auch der Sünde ſei. Wogegen nach der Lehre der Schrift Gott allerdings Schöpfer des Menſchen, aber nicht Urſache ſeines ſündlichen Verderbens iſt. Unſer Bekenntniß ſteht ganz auf dem Boden der Schrift. Es mag darauf hingewieſen werden, ſo weit es hierher gehört. Art. II. der Augs⸗ burgiſchen Confeſſion lautet: „Weiter wird bei uns gelehrt, daß nach