# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1892_S9 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗Amerika. 1892. 9 „Fleiſch" zu faſſen als durch die Sünde verderbte Menſchen, und ſomit ſagt die Stelle: „Was vom Fleiſch geboren wird, das iſt Fleiſch", ſo viel als: Wer von einem Sünder abſtammt, iſt ebenfalls ein Sünder, und zwar eben durch dieſe ſeine Abſtammung; die Menſchen, vom erſten Elternpaar abgeſehen, ſind nicht gewordene, ſondern geborene Sünder. Da⸗ mit ſtimmt Davids Bekenntniß Pſ. 51, 7.: „Siehe, ich bin aus ſündlichem Samen gezeuget und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen." Und die, von welchen ſolche Vererbung zuerſt ausging, ſind die erſten Menſchen, die zwar nach Gottes Bild geſchaffen waren, aber durch den Sündenfall dies Ebenbild Gottes verloren und ſomit dasſelbe auch nicht auf ihre Nach⸗ kommen vererben konnten, auf die ſie vielmehr ihr jetziges Verderben ver⸗ erbten. Denn ſo heißt es nun von Adam: „Er zeugte einen Sohn, der ſeinem Bilde ähnlich war." 1 Moſ. 5, 3. Und Paulus ſchreibt: „Durch einen Menſchen iſt die Sünde gekommen in die Welt." Röm. 5, 12. Es gibt alſo eine Erbſünde. Die Sünde iſt allen Menſchen angeboren, an⸗ geerbt. Daß dieſer Zuſtand, in dem wir geboren werden, ein wirklich ſünd⸗ hafter iſt, daß die Erbſünde ihren Namen mit Recht trägt, iſt ebenſo klar in der Schrift bezeugt. „Wer Sünde thut, der thut auch Unrecht; und die Sünde iſt das Unrecht", ſchreibt Johannes 1 Joh. 3, 4. Sünde iſt das Unrecht, das dem Rechte und Geſetze Gottes Widerſprechende, und von dieſer Beſchaffenheit iſt das „Fleiſch", als welches der Menſch, vom „Fleiſche" ſtammend, geboren wird. Das „Fleiſch" will ſich vom Geiſt nicht ſtrafen laſſen. (1 Moſ. 6, 3.: „Die Menſchen wollen ſich meinen Geiſt nicht mehr ſtrafen laſſen, denn ſie ſind Fleiſch.") Fleiſch ſein heißt: fleiſchlich ge⸗ ſinnet ſein. Fleiſchlich geſinnet ſein iſt aber nach Röm. 8, 5—7. eine Feindſchaft wider Gott. Das „Fleiſch" iſt dem Geſetz Gottes nicht unter⸗ than, vermag es auch nicht. Kurz, „Fleiſch ſein" heißt: im Gegenſatz zum Geſetz ſtehen, die Beſchaffenheit der Sünde haben, oder mit andern Worten: Erbſünde iſt wirklich Sünde. Aus den angeführten Sprüchen iſt auch zugleich die Größe und Tiefe des erbſündlichen Verderbens erſichtlich. Dieſes begreift ein Doppeltes in ſich: gänzliches Unvermögen dem Geſetz unterthan zu ſein, oder Untüchtig⸗ keit zu allem in Gottes Augen Guten und Feindſchaft wider Gott, die natürlich eine fruchtbare Mutter zahlloſer Geſetzesübertretungen und Sün⸗ den iſt. Größe und Tiefe des erbſündlichen Verderbens bezeugen auch an⸗ dere Stellen. Die Unfähigkeit zu allem Guten bezeugt der HErr, wenn er ſpricht: „Wie könnt ihr Gutes reden, dieweil ihr böſe ſeid?" Matth. 12, 34., und noch ſtärker, wenn er die natürlichen Menſchen, die Menſchen in ihrem unbekehrten Naturzuſtand, als geiſtlich Todte bezeichnet: „Laß die Todten ihre Todten begraben", Matth. 8, 22.; mit welchem Namen ſich und andere auch ſein Apoſtel bezeichnet, wenn er ſchreibt: „Da wir todt waren in Sün⸗ den, hat er uns ſammt Chriſto lebendig gemacht." Eph. 2, 5. Als über⸗