# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1858_S270 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 270 Die Kirche Norwegens. später vermittelst einer zweiten Wiedergeburt durch das Wort befreit werden müßten, eine Ansicht, die aber nicht von allen Gliedern der Partei getheilt wird. — Stavanger macht überhaupt in religiöser Beziehung einen merkwürdigen Eindruck. Es finden sich hier neben einander Haugianer, herrnhutisch Gesinnte, die genannten Starkgläubigen, Indifferentistische, besonnene Lutheraner und außerhalb der Kirche die Quäker (vielleicht auch noch andere Schattirungen). Es machte einen eigenthümlichen Eindruck, im Laufe weniger Stunden mit den verschiedensten Geistesrichtungen in Berührung zu kommen. Auch an theologischen Controversen fehlt es nicht. Besonders Eine bewegte der Zeit die Gemüther in weiten Kreisen. Pastor Wexels hatte in einer ihm aufgetragenen Umarbeitung des Katechismus von Pontoppidan zum Schulgebrauch in einer Frage die Ansicht aufgenommen, daß es auch nach dem leiblichen Tode noch eine Möglichkeit der Bekehrung gebe, welche er freilich auf die beschränken will, welche in diesem Leben nicht Gelegenheit dazu hatten. Mehrere Geistliche theilen dem Vernehmen nach seine Ansicht; die Volksstimme aber sprach sich scharf dagegen aus, und leider hat W. an seiner früheren Beliebtheit und Popularität sehr verloren. Der vorhin genannte Spödervoldt rechnet ihn deßwegen sogar zu den Sectirern. Noch neuerlich schrieb gegen ihn Pastor Dybdahl, eine milde, innige, sonst zum Streit nicht aufgelegte Natur, ohne daß aber dadurch das zwischen ihm und W. stattfindende Freundesverhältniß gestört wäre. In einem engern Kreise blieb ein Streit über eine von W. geäußerte Meinung, welche übrigens seine kirchliche Richtung charakterisirt, über die Absolution. Er behauptete nämlich, auch der Unbußfertige und Ungläubige empfange wirklich Vergebung, aber zum Gericht, und suchte diese Behauptung dadurch zu stützen, daß man die Sündenvergebung als Inhalt ja nicht vom Absolutionswort trennen könne und suchte einen Bibelgrund in dem Gleichniß vom Schalksknechte. Der Streit hat sich aber wohl nicht weit über das Gebiet der Norwegischen Kirchenzeitung hinaus erstreckt, wo ein ungenannter „simpler Theolog“ (dem Vernehmen nach ein Candidat) gegen ihn auftrat und auch das letzte Wort behielt. — Mehr Theilnahme fand ein liturgischer Streit über den Wortlaut des dritten Artikels. Es finden sich gegenwärtig in Norwegen vier verschiedene Recensionen desselben. In der neuesten Ausgabe der symbolischen Bücher (veranstaltet auf Verordnung des Kirchendepartements) lautet es im apostolischen Symbolum: „Ich glaube an den heiligen Geist, die heilige allgemeine Kirche, Gemeinschaft der Heiligen ꝛc.“ In den ältern Katechismus⸗Ausgaben und Erklärungen, wie auch in der neuern auf Veranstaltung des Kirchenregiments revidirten Ausgabe derselben heißt es: „Ich glaube an den heil. Geist, eine heilige allgemeine Kirche (oder Gemeinde), Gemeinschaft der Heiligen ꝛc.“ In Luthers Katechiemus, wie er auch in die symbolischen Bücher auf⸗