# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1858_S269 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Kirche Norwegens. 269 als auf die objective Gnadenverheißung und Gnadenmittheilung im Wort und Sacrament gelegt. Man hört öfters in Erbauungsreden ein Mißtrauen äußern gegen Alle, die den Heilsweg leicht machen wollen (was ja freilich im bösen Sinne, aber auch in evangelisch richtigem geschehen kann). Ich hörte wohl äußern, daß solche beim Norwegischen Volke nicht auf Eingang zu rechnen hätten, und wirklich wird gegen einen freiern evangelischen Sinn, welcher nicht Buße, Gebet ꝛc. verwerfen, nur nicht darauf seine Rechtfertigung bauen will, sondern auf Gottes That in Christo der Vorwurf des Antinomismus erhoben. Daher finden strengere Bücher mehr Eingang, und namentlich Luther in seiner kernigen evangelischen Weise wird hie und da bedenklich angesehen. Man fürchtet sich, „den Weg breit zu machen.“ Derselbe Maßstab wird nun auch bei Beurtheilung der Prediger angelegt. — Natürlich spielt in dieser Beziehung der Streit „über die Mitteldinge“ eine große Rolle, und die strengere „pietistische“ Richtung hat, besonders im Volke, ihre zahlreichen Vertreter. Es kann nicht fehlen, daß diese zarte Frage namentlich den Geistlichen mannigfache Schwierigkeiten bereitet. Daß bei den Erweckten sich Schattenseiten und Gebrechen finden, das läugnen auch ihre Freunde nicht ab. Diese geben zu, daß ein zu großes Mißtrauen, Neigung, zu schnell zu richten, ein zu großes Gewichtlegen auf Kleinigkeiten (in Bezug auf Adiaphora), hie und da Statt finde, daß eine allseitigere sowohl bürgerliche als religiöse Aufklärung zu wünschen sei u. s. w. Aber man würde Unrecht thun, um dieser Gebrechen willen die Sache zu verwerfen, oder diese Gebrechen allen Erweckten aufbürden zu wollen. Ich bin doch Vielen begegnet, an denen ich Ungesundes der Art nicht wahrgenommen habe. Am allerwenigsten sollte man an solchen Schwachheiten Anstoß (oder vielmehr Vorwand) nehmend, in Opposition gegen die religiöse Bewegung und gegen lebendiges Christenthum überhaupt treten. Unter den Geistlichen dürfte ein falscher Rigorismus in Betrachtung der Adiaphora sehr selten sein. Es ist unmöglich, alle einzelnen Schattirungen christlicher Richtung zu zeichnen. Nur einer Partei mag noch erwähnt werden, welche unter dem Namen der „Starkgläubigen“ bekannt ist, und mit der ich in Stavanger bekannt wurde. Unter ihnen zeichnete sich ein nun verstorbener Laie, Spödervoldt, aus, der sogar hebräisch gelernt haben soll, der ein Buch über die Gnadenhaushaltung Gottes mit dem Menschen (eine Art Geschichte des Reiches Gottes) herausgegeben hat, worin er allerdings eine große Bibelkenntniß und auch sonstige Belesenheit entwickelt. Der Charakter desselben ist ein in herber Polemik festgehaltenes streng orthodoxes Lutherthum (Haugianer und Herrnhuter werden mit kräftigen Scheltworten behandelt), daneben aber volle Strenge in Beziehung auf Adiaphora. Zugleich aber stellt Sp. außer manchen andern absonderlichen Behauptungen, auch eine eigene Ansicht über die Taufe auf. Er nimmt nämlich an, daß das Kind in der Taufe wiedergeboren werde, Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit erlange, daß aber seine Seelenkräfte noch in einer gewissen Macht des Satans blieben, und erst