# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1858_S268 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 268 Die Kirche Norwegens. nicht in der schrecklichen Gestalt hervortritt, wie z. B. bei unsern deutschen Atheisten und Materialisten, so mag er heimlich in manchem Herzen das regierende und treibende Princip sein. An Spott über die „Läsare und Heiligen“ auch in der Zeitungspresse, den Reden über Heuchelei, Schwärmerei, Irrenhäusler fehlt es nicht. Die oben angeführte Literatur wird ja nicht von Allen benutzt, wo „die Stunden der Andacht“ u. dgl. die Erbauungsquelle sind, sogar ziemlich hoch im Norden. Auch in Norwegen wird zuweilen lose religiöse Waare geschrieben. Viele entziehen sich dem Worte, und an manchem Orte stehen die Kirchenstühle, namentlich der höhern Klassen und Beamten leer. Im Allgemeinen besucht das weibliche Geschlecht die Kirchen fleißiger, so wenigstens fand ich es in den Städten, und so wurde es mir auch bestätigt. Fragen wir nach dem geistlichen Charakter jenes engern Kreises, so lehrt ein Blick auf die angegebene Literatur, daß verschiedene Richtungen sich darin vorfinden. Es giebt Confessionelle, d. h. solche, welche mit vollem Bewußtsein lutherisch sein wollen und auch durch das, was sie Fremdes aufnehmen, ihr Lutherthum nicht beeinträchtigen wollen. Ein Uebersetzer z. B. von Krummacher's Passionspredigten ließ in confessioneller Treue dessen Abendmahlspredigt aus. Manche lesen mit Unterscheidung und Prüfung, wozu auch schlichte Leute oft eine nicht unbedeutende Gabe entwickeln. Andere wieder, deren Bewußtsein der confessionelle Unterschied ferner liegt, wollen doch nichts anders sein, als lutherisch, und vielfach hörte ich als erste Frage, wo ich Leuten vorgestellt wurde: „Ist er auch lutherisch?“ Andere wieder huldigen, und zwar bewußt und absichtlich, einem christlichen Indifferentismus, Geistliche sowohl als Laien. Unter Ersteren sind Mehrere aber in Beziehung auf die mit der Heilsordnung unmittelbar zusammenhangenden Lehren, Buße, Glaube, Heiligung ꝛc. sehr streng, und sie würden mit den „Neulutheranern“ den Vorwurf des hierarchischen Fanatismus vor dem Forum der protestantischen Kirchenzeitung hören müssen. Ein ziemlich allgemeiner Zug unter den Erweckten ist eine gewisse Herbe und Strenge. Hauge trat seiner Zeit als Bußprediger an ein im Todesschlafe liegendes Geschlecht, wie ein Geistlicher neuerlich auf einer Versammlung sich ausdrückte, mehr mit einer Johannesstimme, auf, mehr mit dem Gesetz als mit dem Evangelio; erst gegen das Ende seines Wirkens soll er milder geworden sein. Er allerdings hatte dem Mundglauben, der ihm nicht selten entgegentreten mochte, gegenüber ein Recht, auf lebendige, wirkliche Bekehrung, auf ein Bewußtsein des Ueberganges von der Finsterniß zum Licht, auf geistliche Erfahrung zu dringen. Er hatte ebenso Recht, wenn er eine Glaubensbethätigung in der Heiligung forderte. Aber die Erfahrung hat es ja oft gezeigt, daß eine einseitige, das christliche Gleichgewicht störende, Betonung des subjectiven Momentes mit Zurücksetzung des objectiven herrschender Charakter wird. Dies ist zum Theil in Norwegen der Fall. Es wird von Manchem ein übergroßes Gewicht auf die eigene Bekehrungsarbeit, auf das Ringen nach Gnadenerfahrungen und subjectivem Friedensgefühl, mehr,