# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1890_S19 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗Amerika. 1890. 19 und mit der Hand ihnen folgen; das Herz mögen ſie ja nicht zwingen, ſoll⸗ ten ſie ſich zerreißen. Denn wahr iſt das Sprichwort: Gedanken ſind zollfrei. Was iſt's denn nun, daß ſie die Leute wollen zwingen zu gläuben im Herzen und ſehen, daß es unmöglich iſt? Treiben damit die ſchwachen Gewiſſen mit Gewalt zu lügen, zu verleugnen und anders zu ſagen denn ſie es im Herzen halten, und beladen ſich ſelbſt alſo mit greulichen, fremden Sünden. Denn alle Lügen und falſch Bekenntniß, die ſolch ſchwache Gewiſſen thun, gehen über den, der ſie erzwingt. Es wäre ja viel leichter, obgleich ihre Unter⸗ thanen irreten, daß ſie ſie ſchlecht irren ließen, denn daß ſie zu Lüge und anders zu ſagen dringen, denn ſie im Herzen haben; und auch nicht recht iſt, daß man Böſes mit Aergerem wehren will ... So ſprichſt du: Hat doch Paulus geſagt Röm. 13, 1.: Eine jegliche Seele ſolle der Gewalt und Obrigkeit unterthan ſein! Antwort: Da kömmeſt du recht, denn dieſe Sprüche dienen für mich. St. Paulus redet von der Obrigkeit und Ge⸗ walt. Nun haſt du jetzt gehört, daß über die Seele niemand kann Gewalt haben, denn Gott. So muß ja St. Paulus von keinem Gehorſam ſagen können, denn da die Gewalt ſein kann. Daraus folget, daß er redet, nicht vom Glauben, daß weltliche Gewalt nicht ſolle haben den Glauben zu ge⸗ bieten, ſondern von äußerlichen Gütern, dieſelben zu ordnen und zu regie⸗ ren auf Erden. Das geben auch ſeine Worte deutlich und klar, da er beide, der Gewalt und Gehorſam, das Ziel ſteckt und ſpricht Röm. 13, 7.: ‚Gebet jedermann das Seine: Schoß, deß der Schoß, Zoll, deß der Zoll, Ehre, deß die Ehre, Furcht, deß die Furcht iſt.‘ Siehe da, weltlicher Gehorſam und Gewalt gehet nur über Schoß, Zoll, Ehre, Furcht äußerlich. ... Das alles hat auch JEſus fein unterſchieden und kurz gefaſſet, da er ſpricht Matth. 22, 21.: ‚Gebet dem Kaiſer, was des Kaiſers iſt und Gott, was Gottes iſt.‘ Wenn nun kaiſerliche Gewalt ſich ſtreckte in Gottes Reich und Gewalt, und nicht ein Sonderes wäre, ſollte er's nicht alſo unterſchieden haben. Denn, wie geſagt iſt, die Seele iſt nicht unter des Kaiſers Gewalt; er kann ſie weder lehren noch führen, weder tödten noch lebendig machen, weder binden noch löſen, weder richten noch urtheilen, weder halten noch laſſen, welches doch ſein müßte, ſo er Gewalt hätte, über ſie zu gebieten und Geſetze zu legen, ſondern über Leib, Gut und Ehre hat er wohl ſolches zu thun, denn ſolches iſt unter ſeiner Gewalt.“ (Von weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorſam ſchuldig ſei. 1523. Walch X, S. 455 ff.) Luther: „Oberkeit ſoll nicht wehren, was jedermann lehren und glauben will, es ſei Evangelium oder Lügen; iſt genug, daß ſie Aufruhr und Unfried zu lehren wehren.“ (Ermahnung zum Frieden auf die zwölf Artikel der Bauerſchaft. 1525. Walch XVI, 64.) Luther: „Möchte aber jemand ſagen, wie mir etliche Schuld geben: Soll kein Menſchen⸗Geſetz ſein, ſo müßte auch kein weltlich Regiment ſein; willſt du denn alle Obrigkeit niederdrücken? Antworte ich: Was geht welt⸗ lich Regiment die Sache an? wir wiſſen wohl, daß Paulus und Petrus haben