# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 12 22_S106 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Gott ſeufzen, daß er uns auch ein Wort, einen Spruch, einen Troſt, eine Ermahnung, oder eine Strafe zu Herzen gehen laſſe und uns ſegne, ſo werden wir nie leer von hinnen gehen. Iſt der öffentliche Gottesdienſt zu Ende, ſo laſ— ſet uns die noch übrige Zeit entweder allein, oder mit chriſtlichen Brüdern zum weiteren Nachdenken und Beſprechen des Gehörten un— ter herzlichen Gebeten treulich anwenden, ſo werden wir gewiß jeden Abend des Sonntages geſtärkt und erbaut beſchließen und die neue Woche mit deſto getroſterem Muthe beginnen. Bedenket, meine Brüder, unſere chriſtlichen Vorfahren haben die chriſtliche Freiheit wohl und beſſer als wir gekannt, und doch wie ſorg⸗ fältig waren ſie in ihrer Sonntagsfeier! Wollen wir nun Lutheraner ſein, ſo laßt uns zu ihrem Eifer zurückkehren, und je freier wir uns erkennen, deſto freiwilliger die gute chriſtliche Ordnung halten. Laſſet uns ferner bedenken, die Obrigkeit unſeres Landes hat ſtrenge Geſetze über die Feier des Sonntags gegeben; hier müſſen wir nicht bloß aus Noth, ſondern um des Gewiſ⸗ ſens willen gehorchen, nicht als Glieder der Kirche, ſondern als Unterthanen. Das ſagt uns das Wort Gottes: „Jedermann ſei unter⸗ than der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat, denn es iſt keine Obrigkeit, ohne von Gott; wo aber Obrigkeit iſt, die iſt von Gott verordnet. Wer ſich nun wider die Obrigkeit ſetzet, der wi⸗ derſtrebet Gottes Ordnung; die aber widerſtre— ben, werden über ſich ein Urtheil empfangen.“ Hier gilt keine chriſtliche Freiheit. Wer im ge— ringſten am Sonntage thut, was die Obrigkeit verboten hat, der widerſtrebet Gott und erwarte ſein Urtheil. So laſſet uns einander die Hände bieten, daß der Tag des HErrn unter uns chriſtlich von Jung und Alt gefeiert werde, laſſet uns Gott bitten um Erhaltung ſeines Wortes und Sacraments, es heilig halten, gerne hören und lernen, ſo werden wir nicht ausgeſchloſſen wer— den, wenn der ewige Sabbath im Himmel be⸗ ginnt. Dazu helfe uns allen IEſus Chri— ſtus. Amen. Einige Merkwürdigkeiten aus den letzten Stunden ſogenannter ſtarker Geiſter oder Freidenker. Der große Philoſoph Kant ſtarb in dem Wahne, er ſei eine Gans, und konnte allein durch vorgeſtreute Gerſte beruhigt werden. Plattner verharrte in ſeinem Unglauben bis an ſein Ende, und doch verſchied er unter der ſchrecklichſten Furcht vor dem Teufel, den er vom Katheder herab immer geleugnet hatte. Der Skeptiker (Zweifler) Condorcet ver⸗ giftete ſich ſelbſt, um dem Schaffot zu entgehen, auf welches ihn ſeine vormaligen, republicani⸗ ſchen Freunde hatten bringen wollen. Nachdem Carl Blount vieles gegen das Chriſtenthum geſchrieben hatte, verfertigte er einen Tractat, in welchem er beweiſen wollte, daß auch ein Chriſt ſeines Bruders Wittwe ohne Blutſchande heirathen könne, da er ſich in die Wittwe ſeines Bruders verliebt hatte. Da er daran verzweifelte, die Bewilligung der eng⸗ liſchen Kirche zu dieſer Heirath zu erlangen, 106 machte er ſeinem Leben durch Selbſtmord ein nde. Nachdem der Gottesleugner Th. Hobbes während ſeines Lebens das Chriſtenthum immer nur als eine Popanz dargeſtellt hatte, womit kluge Staatsmänner das Volk zu ſchrecken und im Zaume zu halten geſucht hätten, ſo verfiel dieſer ſonſt ſehr ſcharfſinnige Mann endlich in eine ſo kindiſche Geſpenſterfurcht, daß er ſich nirgends allein zu ſein getraute. ö Der bekannte Satiriker Swift, der wäh⸗ rend ſeines Lebens nicht nur Menſchen, ſondern auch die Religion ſelbſt mit den beißendſten Spottreden durchzog, beſtimmte in ſeinem Te— ſtamente den größten Theil ſeines Vermögens zu einem Hoſpitale für Mondſüchtige und Blödſinnige, „um,“ wie er ſelbſt ſagt, „mit ei⸗ nem ſatiriſchen Zuge darzuthun, daß kein Land deſſen ſo ſehr bedürfe.“ Gott ließ es jedoch geſchehen, daß Swift ſelbſt endlich im Wahn⸗ ſinn ſtarb. Der berühmte Rouſſeau glaubte die letz⸗ ten zwanzig Jahre ſeines Lebens, daß ſich alle Menſchen gegen ihn verſchworen haben, und er war in ſeinem argwöhniſchen Wahnſinne von dieſer allgemeinen Verſchwörung ſo ſehr über— zeugt, daß er den Tod des Königs Ludwig des Fünfzehnten beweinte, weil dieſer bisher den allgemeinen Haß mit ihm getheilt habe, der ſich nun in ihm allein vereinige. Johann Wilmot, Graf von Rocheſter, hatte eine chriſtliche Erziehung genoſſen; dem⸗ ungeachtet aber ließ er ſich in die ſchrecklichſten Sünden und Laſter hineinreißen, und wurde daher ein Gottesleugner. Endlich aber wurde eine Krankheit die Gelegenheit zu ſeiner Ret— tung; er beweinte und verabſcheute auf's tiefſte ſein ehemaliges Leben. Um aber das der Welt gegebene Aergerniß, ſo viel als möͤglich, wieder aufzuheben, hinterließ er eine ſchriftliche Er— klärung, welche er kurz vor ſeinem Tode unter⸗ ſchrieb und verſiegelte, und die bei ſeiner Lei— chenpredigt, ſeinem ausdrücklichen Verlangen gemäß, öffentlich vorgeleſen werden mußte. — Sie lautet alſo: „Allen denen zum Beſten, wel⸗ che ich durch das Beiſpiel meines Lebens zur Sünde gereizt haben mag, hinterlaſſe ich dieſe meine Erklärung, welche hiermit vor dem An— geſichte des großen Gottes, der das Innere aller Herzen kennt, und vor deſſen Gericht ich nun treten ſoll, abgelegt wird. Ich verfluche und verabſchene meinen ganzen vorhin abgeleg— ten Lebenslauf. Ich kann mich über die Güte Gottes nicht genug verwundern, daß Er mich meine ſchändlichen Meinungen und böſes Leben einſehen und erkennen laſſen; denn ich habe bisher ohne Gott in der Welt gewandelt, und bin ein Verächter des Geiſtes der Gnade ge— weſen. Das wichtigſte Zeugniß meiner Liebe zu Gott ſoll ſein, Andere im Namen Gottes zu ermahnen, die Wohlfahrt ibrer unſterblichen Seele zu bedenken, Sein Daſein, oder Seine Vorſehung nicht zu leugnen, Seine Güte nicht zu verachten, mit der Sünde nicht zu ſcherzen, und den reinen und herrlichen Glauben meines gebenedeieten Erlöſers nicht zu ſpotten, als durch deſſen Verdienſt ich, als einer der aller⸗ größten Sünder, Gnade und Vergebung zu erhalten hoffe. —Verſiegelt in Gegenwart von John Rocheſter, Anna Rocheſter, Robert Par⸗ ſon, den 19. Juni 1680.“ Nutz und Noth des Sacraments. Kaiſer Maximilian lag einſt vor einer Fe⸗ ſtung und wollte Tages darauf dieſelbe mit Sturm einnehmen; er hielt daher am Abend zuvor ein Banket mit ſeinen vornehmſten Kriegsräthen; alle waren fröhlich, nur Einer ſaß traurig und finſter da. Der Kaiſer ſpricht zu ihm: Wie ſo traurig, Rittmeiſter? Dieſer antwortete: Allergnädigſter Herr, ich habe meiner Schwermuth große Urſache. Mari— milian ſagt: Iſt ihr denn auch zu rathen? Der Rittmeiſter antwortet: Ja, Eure kaiſer⸗ liche Majeſtät könnte mir gar wohl helfen. Der Kaiſer ermahnt ihn, zu ſagen, was ihn drücke. Der Rittmeiſter ſpricht: Ja, wenn Eure Maieſtät nicht zornig werden und einen Widerwillen auf mich werfen wollte. Mari⸗ milian erwiederte: Verlaß du dich auf mein kaiſerliches Wort, es ſoll alſo ſein. Nur ſage geradezu. Da ſpricht der Rittmeiſter: „Aller⸗ gnädigſter Herr, wir ſollen uns morgen mit dem Feinde ſchlagen; nun frißt das Schwert itzt dieſen, itzt jenen, wie David ſagt 2 Sam. 11. Anceps fortuna belli, d. i. Niemand weiß, wer den Letzten begräbt. Ich habe aber ein bös Gewiſſen und bin bekümmert, wie ich im Fall der Noth möge ſelig werden, denn ich habe 30,000 Ducaten von der Kriegsleute Beſol— dung veruntreuet; wo mir dieſe Eure kaiſer⸗ liche Majeſtät will ſchenken, und vergeben, ſo will ich fröhlich ſein und mich morgen deſto ritterlicher verhalten.“ Maximilian bedenket ſich, lächelt ein wenig und ſpricht: Es iſt wohl nicht ein geringes, aber alles ſei dir geſchenkt, vergeben und vergeſſen, nur ſei fröhlich, mor⸗ gen kann eine kühne Heldenthat alles erſetzen. Der Rittmeiſter bedanket ſich höchlich. Er iſt aber mit dieſen Worten nicht zufrieden, ſondern ſpricht: Eure Majeſtät ſei ſo demüthig und trinke mir darauf einen guten Trunk zu, daß ich auch weiß, daß es verziehen und vergeben iſt. Das that der Kaiſer. — Eben ſo handelt auch Gott in Gnaden mit uns, er läſſet uns erſtlich ſeinen Willen durch ſein Wort wiſſen und hören, und läſſet uns dann auch noch ſeine Meinung in den hochwürdigen Sacramenten mit Augen ſehen, damit unſer Herz alles Un— glaubens und Zweifels ſich könne entbrechen. (Herbergers Poſtille.) Das Wort allein gibt Ruhe. An den lutheriſchen Prediger Gigas ſchrieb Matheſius einſt folgendes: O mi Gigas, sis tenax verbi, d. i. o mein Gigas, bleib feſt beim Worte. Da ich vor etlichen Jahren die vier Worte: Das iſt mein Leib, verlor und ſie mit Menſchenaugen anſah, erſchrak ich, kam in große Aufechtung, Angſt und Trübſal. Aber ich hielt am Gebet an, und ergriff wieder⸗ um die Mutterbruſt (Pſ. 131.), und ließ hier⸗ innen die großen Rechenmeiſter, Ptolemäus und Euklides, mit ihrem Meſſen und Rechnen fahren: da ward ich wiederum im Gewiſſen ſtill und fröhlich. Dafür ich Gott in alle Ewigkeit danke. Textus non fallit: multos speciosa fefellit Glossa; Dei verbo nitere —tutus eris. Das iſt: Der Text der Schrift nicht trügen kann, Sondern die Gloß', ſo hanget dran: Darum ſo trau dem Wort allein, So wirſt du unbetrogen ſein. Bezahlt. 3. Jahrg. die Herren Paſtor Selle, Zühlsdorf, Paſtor Ernſt (5 Ex.), Paſt. Bürger (2 Ex.), Paſt. Winkler, Bließ, Paſt. Schuſter, Ohm. 2. Hälfte des 3. Jahrg. die Herren J. Heinke, F. Lange, Kauffung. 1. Hälfte des 4. Jahrg. Hr. F. Lange. Gedruckt bei Arthur Olshauſen.