# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1890_S16 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 16 Verhandlungen der dreizehnten Verſammlung zürne; wie es denn auch zum Schluſſe heißt, nicht „Aber wohl den Königen“, ſondern „Aber wohl allen, die auf ihn trauen“. — Alſo eines Königs Sorge ſoll ſein, daß er ſeine eigene Seele rette; davon dispenſirt ihn nicht, daß er König iſt; das liegt auch nicht in ſeinem königlichen Amt, das iſt ihm vielmehr als ſeine heilige Pflicht zugewieſen, inſofern ihn JEſus mit ſeinem Blut theuer erkauft hat, damit er ſein eigen ſei und in ſeinem Reich unter ihm lebe und ihm diene in ewiger Gerechtigkeit, Unſchuld und Seligkeit. Und zum andern hat ein chriſtlicher König nun auch die Aufgabe, daß er als ein vornehmer Chriſt wohl bedenke, welche Gelegenheit ihm gegeben iſt, Chriſto zu dienen; und da ſoll er nicht denken, daß er befehlen darf: ſo muß es ſein —, ſondern wie viel mehr Gelegenheit er hat, ein Wort mit Erfolg zu reden, als mancher andere. Die großen Gelehrten und großen Doctoren, wenn der König ſie rufen läßt, hören ihn wenigſtens an, während, wenn ein altes Mütterchen käme und machte einem deutſchen Gelehrten Vor⸗ ſtellung über ſeine letzte Predigt, es wohl mit ſchnöden Worten abgewieſen würde. Dem Könige ſtünden ſie wohl Rede. Das bedenke, du König, ſagt die Schrift und ſagt das Symbol, du haſt viel Gelegenheit, der Kirche zu dienen. Darum bedenke auch, daß du König biſt und hüte dich wohl, daß du deine Pflicht nicht verſäumſt, ſowie auch davor, daß du etwas für deine königliche Pflicht hältſt, was dir allein als Chriſt zuſteht. Im weiteren Verlauf der Beſprechung wurde dann aufmerkſam gemacht auf das Wort Chriſti: „Gebet dem Kaiſer, was des Kaiſers iſt, und Gott, was Gottes iſt“, als auf einen Hauptbeweis für die Richtigkeit der Theſe. JEſus ſprach ja dieſe Worte, als man ihm verſuchlicher Weiſe die Frage vorlegte: Iſt's recht, dem Kaiſer den Schoß zu geben oder nicht? Unter den Juden waren viele der Meinung, dem Kaiſer Schoß zu geben, dazu hätten ſie als Glieder des heiligen, auserwählten Volkes Gottes eigentlich keine Verpflichtung, um ſo weniger, als die Römer ſich mit Unrecht des heiligen Landes bemächtigt hätten. JEſus läßt ſich die Zinsmünze zeigen und weiſt daraus, daß der Münze das Bild und die Ueberſchrift des römi⸗ ſchen Kaiſers aufgeprägt war, nach, daß der römiſche Kaiſer es war, der Gewalt über die Juden hatte, daß ſie ihm daher auch als ihrer rechten Obrigkeit gehorchen müßten: „Gebet dem Kaiſer, was des Kaiſers iſt.“ So ſagt er. Er fügt aber hinzu: „und Gott, was Gottes iſt.“ Indem JEſus dies hinzufügt, ſchränkte er die Gewalt des Kaiſers ein. Was Gottes iſt, will er ſagen, das ſollen wir nicht der Obrigkeit geben. „Gottes“ aber iſt doch unſtreitig das Reich Gottes auf Erden. Dies Reich iſt nicht von dieſer Welt; es kommt auch nicht zu uns mit äußerlichen Geberden. Es gibt auch in dieſem Reich nicht menſchliche Vorgeſetzte; Einer iſt euer Meiſter, Chriſtus, ihr aber ſeid alle Brüder. Dies Reich hat alſo nur Einen König, Chriſtus, der will ſeine Ehre und ſein Reich keinem andern geben, er will es vielmehr ſelbſt regieren durch ſein Wort. Und wir ſollen, was in dieſes geiſtliche Reich hineingehört, ja nicht der weltlichen Oberkeit übertragen.