# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1890_S13 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗Amerika. 1890. 13 Stehlen Unrecht iſt, daß auf Mord das Schwert gehört, und ſie kann auch den Willen haben, den Dieb zu ſtrafen und den Mörder umzubringen. Freilich iſt auch ſelbſt dies durch die Sünde verderbt, und ſo iſt keine Obrig⸗ keit auf Erden, die auch nur in dieſen Dingen alles vollkommen ausrichten könnte. Aber ſoweit natürliche Vernunft, die alle Menſchen haben, geht, ſoweit kann auch die Obrigkeit in dieſen zeitlichen, irdiſchen Dingen urtheilen, richten und ordnen. Aber ſobald es in die geiſtlichen Dinge hineingeht, hört die Möglichkeit, die darin liegt, daß jemand Obrigkeit iſt, zu urtheilen, auf. Daß der König ein Chriſt iſt, bürgt ja nicht dafür, daß ſein Nachfolger auch ein Chriſt ſei. Und wenn die geiſtlichen, himmliſchen Dinge zu den Dingen gehörten, über die ſich nach der göttlichen Ordnung die Gewalt der Obrigkeit erſtreckte, ſo müßte, wenn ein chriſtlicher König geſtorben und ein unchriſtlicher Fürſt ſein Nachfolger geworden iſt, der Charakter dieſes Nachfolgers verändert ſein. Sonſt könnten die Unter⸗ thanen erklären: „Dieſer Mann kann nicht unſer König ſein, ſo wenig wie ein Wahnſinniger unſer König ſein kann, deſſen Geboten wir gehorchen müßten. Denn er ſoll über geiſtliche, himmliſche Dinge urtheilen, und davon verſteht er nichts.“ — So iſt's mit den Seelſorgern, mit den Pre⸗ digern. Einem ſolchen ſind gewiſſe Verrichtungen zugewieſen. Darin liegt, daß er im Stande ſein ſoll, über dieſe Dinge zu urtheilen. Darum erkennen wir es auch als einen vollſtändig zureichenden Grund an für die Abſetzung eines Mannes, der in's Predigtamt gerieth, wenn er nicht die nöthige geiſt⸗ liche Erkenntniß hat, um von den Dingen zu urtheilen, die er lehren ſoll, um Seelen ſelig zu machen. Er kann ein exemplariſches Leben führen und fünfzehn Sprachen ſprechen, und wir müſſen ihm doch ſagen: „Du kannſt nicht Prediger ſein; wir müſſen gewiſſenshalber dir dein Amt abnehmen. Gott hat einem Prediger Aufgaben geſtellt; denen kannſt du nicht nach⸗ kommen. Gott will aber, daß das verrichtet werde, was er dieſem Amt eingeräumt und zugewieſen hat, und daraus iſt klar, daß du nicht der Mann ſein kannſt, den Gott in dies Amt haben will.“ — Darin liegt nun un⸗ widerſprechlich, daß die Obrigkeit, als Obrigkeit, nicht kann geſetzt ſein, daß ſie walten ſoll, gebieten ſoll, ſtrafen ſoll und lohnen ſoll in geiſtlichen, himmliſchen Dingen. Wenn wir das feſthalten, daß Obrigkeit als Obrigkeit das nicht zu ihrer Befugniß rechnen darf, weil eben Obrigkeit als ſolche nicht eo ipso im Stande iſt, einer ſolchen Pflicht nachzukommen, ſo ſtößt es uns nicht, wenn in unſeren Bekenntniſſen an einigen Stellen der Obrigkeit mehr ein⸗ geräumt zu ſein ſcheint. So heißt es z. B. in den Schmalkaldiſchen Artikeln (Müller, S. 339): „Fürnehmlich aber ſollen Könige und Fürſten als fürnehmſte Glieder der Kirchen helfen und ſchauen, daß allerlei Irrthum weggethan, und die Ge⸗ wiſſen recht unterrichtet werden, wie denn Gott zu ſolchem Amt die Könige und Fürſten ſonderlich vermahnet im 2. Pſalm: Ihr Könige, laßt euch