# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1890_S12 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 12 Verhandlungen der dreizehnten Verſammlung Eine Stelle iſt, daß auch die geiſtlichen Güter der Obrigkeit unterſtellt ſind, daß auch ſie nicht nur Gottes, ſondern auch des Kaiſers ſind. Wer nun alſo der Obrigkeit dieſes Recht und dieſe Pflicht zuweiſen will, der wird anfangen müſſen mit dem 1. Capitel des 1. Buchs Moſe und muß ſuchen bis zur Offenbarung, und wenn er eine Stelle gefunden hat, ſoll er es ſagen. Wenn er aber keine gefunden hat, wenn er nur ſolche gefunden hat, in denen von ihrer Befugniß über zeitliche Dinge die Rede iſt, dann ſoll er anerkennen, daß die Obrigkeit nicht Obrigkeit iſt über die geiſtlichen, himmliſchen Güter. Denn wenn einer das Gegentheil behaupten will, ſo daß es die Gewiſſen binden ſoll, muß er Gottes Wort bringen. Und wenn wir nun andrerſeits allerdings Stellen genug finden, in denen der Obrigkeit das Walten über zeitliche Dinge zugewieſen wird, ſo erkennen wir aus Gottes Wort, daß der Obrigkeit Gewalt ſich über dieſe zeitlichen Dinge allerdings erſtrecke, und daß wir der Ordnung Gottes widerſtreben, wenn wir der Obrigkeit in dieſem ihrem Walten widerſtreben, und daß uns mit Recht das Schwert der Obrigkeit ſtraft, das ihr zu dem Zweck gegeben iſt, die Uebelthäter zu ſtrafen und Rache zu üben an denen, die gegen das ſich vergangen haben, was ſie im Namen Gottes verlangen kann. Nun ſind es, wie wir Röm. 13, 3. hören, Werke, mit denen die Obrigkeit zu thun hat. Werke ſind ja freilich auch mancherlei Art. Auch wenn wir beten, iſt das ein Werk. Wenn wir für die Negermiſſion unſere Gaben darbringen, iſt das ein Werk. Aber was für ein Werk iſt das? Iſt das ein Werk, das der Obrigkeit untergeben ſein kann? Nein. Soll die Obrigkeit urtheilen können, ſo muß ihr das Urtheil nicht nur zugewieſen, ſondern auch möglich ſein. Wir haben in der Obrigkeit eine „menſchliche Ordnung“, das heißt, eine Schöpfung für menſchliche Verhältniſſe; und die Obrigkeit ſoll alſo in den Dingen, die ihr untergeben ſind, urtheilen und richten können. Da fragt ſich's, was kann die Obrigkeit nun beurtheilen? Kann Kaiſer Nero beurtheilen, ob das, was Paulus ſchreibt, recht und wohl geſchrieben iſt, ob, was St. Petrus betet, in gottgefälliger Weiſe gebetet iſt? Kann überhaupt irgend eine Obrigkeit, inſofern ſie eine Obrigkeit, eine menſchliche Ordnung iſt, die wir um des Gewiſſens willen anerkennen müſſen, ſchon die geiſtlichen, himmliſchen Dinge beurtheilen? Unſer Be⸗ kenntniß ſagt dazu: Nein. Es ſagt (Müller, S. 91): „Denn Gott der HErr will, daß den groben Sünden durch eine äußerliche Zucht gewehret werde, und dasſelbe zu erhalten, gibt er Geſetz, ordnet Obrigkeit, gibt ge⸗ lehrte und weiſe Leute, die zum Regiment dienen. Und alſo äußerlich ehr⸗ bar Leben und Wandel zu führen vermag etlichermaßen die Vernunft aus ihren Kräften, wiewohl ſie oft durch angeborene Schwachheit und durch Liſt des Teufels auch daran gehindert wird.“ Alſo in dieſen äußerlichen irdiſchen Dingen haben natürliche Menſchen einigermaßen eine Erkenntniß, ein richtiges Urtheil und den Willen, der dieſem Urtheil entſpricht. Die Obrigkeit kann nach der natürlichen Vernunft dieſe Dinge erkennen, daß