# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1890_S8 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 8 Verhandlungen der dreizehnten Verſammlung Antitheſen: 1. Der Anarchiſten. Die Anarchiſten wollen gar keine Obrigkeit. Ihr Hauptlehrer, Proudhon, der auch den Satz aufgebracht hat: „Eigen⸗ thum iſt Diebſtahl“, behauptet: Die wahre Form des Staates ſei die Anarchie. Darunter verſteht er allerdings nicht vollſtändige Unordnung, aber doch die Abweſenheit eines geſetzlichen Oberherren, ſei er König, Präſi⸗ dent oder geſetzgebende Verſammlung; desgleichen will er keine Geſetze. Jeder ſoll thun und laſſen können, was er will. Das iſt aber ein Zuſtand, der einen Krieg Aller gegen Alle zur Folge hat, in welchem die Schwächeren unterliegen müſſen. Aehnlich ſchon die Wiedertäufer, Anabaptiſten, zur Zeit der Refor⸗ mation, welche behaupteten, die Obrigkeit ſei kein heiliger Stand, ja, ein ſolcher Stand, in welchem kein neuteſtamentlicher Chriſt mit gutem Gewiſſen leben könne. 2. Der Römiſchen. So Berthold von Chiemſee: „Der Urſprung der Obrigkeit iſt nicht ein göttlicher, ſondern von wegen mancherlei Irrung und Bosheit, die ſich unter den Menſchen erhob, hat Gott verhängt, daß die Menſchen unter ſich ſelbſt Könige und andere Obere ſetzten.“ Plitt. Augsb. Confeſſion, II. S. 401. Auguſtin von Ancona: „Der Pabſt hat alle königliche und kaiſerliche Gewalt in der ganzen Welt.“ Berthold von Chiemſee: „Dann ordnete Gott, daß durch der Men⸗ ſchen Sünde entſtandene weltliche Reiche, außerhalb der Chriſtenheit, nicht für Gottes Ordnung zu halten ſind, ſondern für Tyrannei. Weigert ſich die Obrigkeit, der Kirche ihren ſtarken Arm zu leihen, ſo kann die Kirche ſie für keine Obrigkeit erklären, der man Widerſtand thun kann und muß.“ Da⸗ von hat Deutſchland genug erfahren, und es iſt nicht das geringſte Verdienſt Luthers, die bis zu ſeiner Zeit verloren gegangene rechte Lehre von der Obrigkeit wieder auf den Leuchter geſtellt zu haben. 3. Der rationaliſtiſchen Staatsrechtslehrer. Dazu ge⸗ hören alle modernen Staatslehrer. Sie ſehen den Staat und die Obrig⸗ keit als ein Naturproduct an und abſtrahiren gänzlich von Gottes Wort und Willen. Eine beſtimmte Form der Obrigkeit hat aber Gott nicht vorgeſchrieben. Zwar wird 1 Tim. 2, 2. und 1 Petr. 2, 13. die Obrig⸗ keit βασιλεύς, König, genannt, aber nur als factiſche Vorausſetzung. Als die Iſraeliten einen König forderten nach der Weiſe der Heiden, 1 Sam. 8, 6. ff., wollte Gott nicht direct, daß ſie einen König haben ſollten, ſondern er ließ es bloß zu. Es iſt alſo nicht, wie viele in Deutſchland ſchwärmen, als ob die monarchiſche Regierungsform die eigentlich gottgewollte ſei. Spr. 30, 24.: „Vier ſind klein auf Erden, und klüger, denn die Weiſen“ ꝛc. Spr. 11, 14.