# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1858_S262 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 262 Die Kirche Norwegens. Wegearbeiten u. s. w., 3) Geistlichen beizustehen, welche auf Grund besonderer kirchlicher Verhältnisse in ihren Gemeinen um Beistand in ihrer Amtsverrichtung nachsuchen, 4) an den Orten, wo sie ihren festen Aufenthalt haben, oder wenn die betreffenden Geistlichen es wünschen, mit Bibelerklärungen oder anderer ähnlicher Wirksamkeit, welche nicht zu den dem geistlichen Amte aufgelegten Amtsverrichtungen gehört, zu helfen, damit christliche Aufklärung und Erbauung befördert werden. 2. Die Laien⸗Wirksamkeit. Diese tritt in Norwegen in eigenthümlicher Gestalt und Energie hervor. Die religiöse Erweckung im Volke ist ja theilweise unabhängig von der Einwirkung der Geistlichen, oft unter Widerspruch von Seiten der Letztern zu Stande gekommen. Die natürliche Folge war, daß die Laien in religiöse und kirchliche Fragen sich vertieften und regen Antheil daran nehmen. Es ist auch nicht zu läugnen, daß bei Vielen sich ein klares Urtheil findet und in den letzten Bewegungen manche gediegene und tüchtige Laienstimme sich hat vernehmen lassen. So ist es denn auch nicht zu verwundern, wenn der freisinnige Norweger auch in die Angelegenheiten der Kirche wirkend mit einzugreifen sucht. Dies geschieht theils durch die von Zeit zu Zeit an verschiedenen Orten zusammentretenden Laienversammlungen, welche sich in der Regel an die Missionsversammlungen der einzelnen Missionskreise anschließen, und zu denen Einladungen ergehen. Auch Geistliche nehmen daran Theil, aber nicht als Leiter und in ihrem amtlichen Charakter, sondern in derselben Stellung wie andere Glieder. Hier werden, oft in scharfer Weise, und in schonungsloser Offenheit die wirklichen oder vermeintlichen Gebrechen der Kirche besprochen, Wünsche und Vorschläge zu deren Abhülfe geäußert, auch wohl gerade schwebende Glaubensfragen erörtert. Eine solche Laienversammlung, gehalten zu Hamar im Juni 1856 legte sogar durch ein niedergesetztes Comitee dem Kirchenregiment in einer Eingabe dar, was es an dem Zustande der Kirche auszusetzen habe, und bat um Abhülfe. Solche Versammlungen sind ganz geeignet, dringende und wichtige Fragen lebendig zu erhalten, einen Gemeinsinn zu nähren, manche Fragen zu klären, Differenzen auszugleichen, auch wohl manche Einseitigkeit abzuschleifen, obwohl nicht zu läugnen ist, daß bedenkliche Wirkungen auch möglich sind. Namentlich war auf den Verhandlungen mancher solcher Versammlungen eine unerquickliche Spannung zwischen Geistlichen und Laien fühlbar. Eine andere Einwirkung auf die Kirche übt die Laienpredigt. Hans Niels Hauge gab wohl hierzu den ersten Anstoß. Hauge's Anhänger beharrten bei allen Verfolgungen, welche sie anfangs zu dulden hatten, dennoch dabei, durch Umherziehen, Predigen und Ermahnen auf Erweckung der Seelen zu wirken, und seitdem ist die Laienpredigt nicht ganz verstummt, besonders da die eingeführte Religionsfreiheit auch hierin freie Bewegung gestattete und die frühern Beschränkungen gegen das „Conventikelwesen aufhob. — Vor ein Paar Decennien zogen 4 Bußprediger durch ihren brennenden Eifer die Aufmerksamkeit des Landes auf sich: Nils Optun's (†1834),