# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1888_S29 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗Amerika. 1888. 29 geliums willen ein Gebundener. Hätte nun Timotheus geſagt: was geht mich der gebundene Paulus an, ſo hätte er in Paulo das Zeugniß des HErrn, das Evangelium verleugnet. Er hätte ſich nicht ſowohl mit Paulo als mit dem Evangelio zu leiden geweigert. Weshalb Paulus auch ſagt: „Leide dich mit dem Evangelio.“ Hierher gehören die bekannten Worte Luthers aus ſeiner Schrift vom Jahre 1522 „Von beider Geſtalt des Sacraments zu nehmen“ (E. A. 28, 316 f.): „Ich ſehe, daß eine gute Vermahnung noth iſt zu thun an die, ſo jetzt der Satanas anfähet zu verfolgen, unter welchen etliche ſind, die meinen, ſie wollen der Fährlichkeit damit entlaufen, wenn man ſie an⸗ greift, daß ſie ſagen: Ich halt's nicht mit dem Luther, noch mit jemand, ſondern mit dem heiligen Evangelio und mit der heiligen Kirche, oder mit der römiſchen Kirche: ſo läſſet man ſie in Frieden und behalten doch im Herzen meine Lehre für evangeliſch und bleiben dabei. Wahrlich, ſolch Bekenntniß hilft ſie nicht, und iſt ebenſoviel als Chriſtum verleugnet. Darum bitte ich, dieſelben wollten ſich ja wohl fürſehen. Wahr iſt's, daß du ja bei Leib und Seel nicht ſollſt ſagen: ich bin Lutheriſch oder päbſtiſch; denn derſelben iſt keiner für dich geſtorben, noch dein Meiſter, ſondern allein Chriſtus, und ſollſt dich Chriſten bekennen. Aber wenn du es dafür hältſt, daß des Luthers Lehre evangeliſch, und des Pabſts unevangeliſch ſei, ſo mußt du den Luther nicht ſo gar hinwerfen; du wirfeſt ſonſt ſeine Lehre auch mit hin, die du doch für Chriſtus Lehre erkenneſt; ſondern alſo mußt du ſagen: der Luther ſei ein Bube oder heilig, da liegt mir nichts an, ſeine Lehre aber iſt nicht ſein, ſondern Chriſtus ſelbſt, denn du ſieheſt, daß die Tyrannen nicht damit umgehen, daß ſie nur den Luther umbringen, ſon⸗ dern die Lehre wollen ſie vertilgen; und von der Lehre wegen taſten ſie dich an und fragen dich, ob du Lutheriſch ſeieſt. Hie mußt du wahrlich nicht mit Rohrworten reden, ſondern frei Chriſtum bekennen, es hab ihn Luther, Claus oder Georg gepredigt. Die Perſon laſſe fahren, aber die Lehre mußt du bekennen. — Alſo ſchreibt auch St. Paulus an Timotheum 2 Tim. 1, 8.: ‚Schäme dich nicht der Zeugniß unſers HErrn, noch meiner, der ich um ſeinetwillen gebunden bin.‘ Wenn hie Timotheo genug ge⸗ weſen wäre, daß er das Evangelium bekennete, hätte ihm Paulus nicht geboten, daß er ſich ſein auch nicht ſchämen ſollte; nicht als der Perſon Pauli, ſondern als der um des Evangelii willen gebunden war. Wo nun Timotheus hätte geſagt: Ich halt's nicht mit Paulo noch mit Petro, ſon⸗ dern mit Chriſto, und wüßte doch, daß Petrus und Paulus Chriſtum lehreten, hätte er doch Chriſtum ſelbſt damit verleugnet. Denn Chriſtus ſpricht Matth. 10. von denen, die ihn predigen: ‚Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf. Wer euch verachtet, der verachtet mich.‘ Warum das? Darum, daß ſie ſeine Boten (die ſein Wort bringen) alſo halten; darum iſt's gleich, als ob er ſelbſt und ſein Wort alſo gehalten würden.“ Es wurde hier noch eine Beſprechung über die Frage veranlaßt, warum