# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1888_S26 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 26 Verhandlungen der zwölften Verſammlung — auch die Schwachen in der Lehre — zu tragen. Das Tragen geſchieht nun aber ſo, daß man ſie nicht lieblos fortwirft und ſofort für Unchriſten erklärt, ſondern ſie in Liebe und Geduld aus Gottes Wort zu unterweiſen ſucht, — nicht ſo, daß man ihren Irrthum für Wahrheit oder für gleich⸗ gültig erklärt. Das hieße ja die verwirrten Gewiſſen noch mehr verwirren. Achten wir wohl auf die Schrift! In der Schrift werden wir oft zum Tragen der Schwachen ermahnt. Aber es wird nie geſagt, wir ſollen Irr⸗ thümer in der Lehre dulden. Hingegen heißt es: „Ein wenig Sauerteig verſäuert den ganzen Teig.“ Was inſonderheit die irrgläubigen Ge⸗ meinſchaften betrifft, ſo treten uns dieſe nicht als Schwache, ſondern als Gemeinſchaften gegenüber, die den Irrthum gegen das öffentliche Zeugniß der Wahrheit feſthalten und ſich von der rechtgläubigen Kirche getrennt haben. Endlich ſagt man, die Forderung der Uebereinſtimmung in allen Ar⸗ tikeln der Lehre könne deshalb nicht nach Gottes Willen ſein, weil die Zer⸗ ſplitterung der Kirche die unausbleibliche Folge dieſer Forderung ſei. Unſere Antwort iſt: Die äußere Zerſplitterung der Kirche iſt doch wahrlich nicht die Schuld derer, welche auf Gottes Befehl das ganze Wort Gottes geltend machen, ſondern die Schuld derer, welche wider Gottes Befehl dies Wort nicht annehmen wollen. Die Beſchuldigung, daß die auf Annahme der ganzen Schriftlehre Dringenden Störenfriede ſind, iſt ebenſo unſinnig, als wenn unſere Anarchiſten diejenigen der Störung des Friedens an⸗ klagen, welche ihnen nicht erlauben wollen, die beſtehenden Geſetze nach Willkür zu übertreten. In der Kirche Gottes ſoll es „nach dem Geſetz und Zeugniß“, das heißt, nach dem geoffenbarten Worte Gottes gehen. Gottes Wort iſt das Reichsgeſetz der chriſtlichen Kirche. Und diejenigen ſind Ur⸗ heber der Zerſplitterung, welche das Reichsgeſetz nicht in ſeinem ganzen Umfange wollen gelten laſſen, ſondern es wenigſtens in einigen Stücken umzuſtürzen gedenken. Welche Leute nennt Gottes Wort Störenfriede? Nicht diejenigen, welche ob dem Wort halten, ſondern die, welche nicht bei der geoffenbarten Lehre bleiben. Röm. 16, 17.: „Sehet auf auf die, die da Zertrennung und Aergerniß anrichten neben der Lehre, die ihr gelernet habt.“ Nach der Schrift ſind alſo diejenigen, welche eine andere, als die reine Lehre des Wortes Gottes, führen, die Leute, welche Zertrennung und Aergerniß in der Kirche anrichten. Es mögen hier zum Schluß einige Worte von Luther Platz finden, in welchen Luther einſchärft, daß die Kirche, weil ſie nicht Herrin, ſondern nur Haushälterin über das Wort Gottes iſt (Röm. 3, 2.), von demſelben nichts preisgeben oder für indifferent erklären kann. Luther: „Die Lehre iſt nicht unſer, ſondern Gottes iſt ſie, der uns allein zu Knechten und Dienern darüber berufen hat; darum ſollen noch können wir den aller⸗ geringſten Tüttel oder Buchſtaben davon nicht begeben noch nachlaſſen.“ (Zu Gal. 5, 9.)