# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1888_S21 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗Amerika. 1888. 21 Aber Gott will es, daß alle Chriſten im Glauben einig ſein ſollen, und zwar ſo einig, daß ſie in allen Artikeln der chriſtlichen Lehre überein⸗ ſtimmen, wie Theſis I ſagt. Es iſt ganz unbegreiflich, wie Leute, welche die heilige Schrift zu glauben vorgeben, von verſchiedenen, gleichberechtig⸗ ten Richtungen in der Kirche reden können. Von der Gleichberechtigung verſchiedener Richtungen könnte doch nur dann die Rede ſein, wenn Gott es uns Menſchen erlaubte, von ſeinem Worte abzugehen; wenn er alſo entweder die Prediger davon dispenſirte, ſein ganzes Wort rein und lauter zu predigen, oder wenigſtens die Zuhörer davon entbände, alles, was ihnen aus Gottes Wort gepredigt wird, zu glauben. Aber weder das Eine noch das Andere iſt der Fall. Vielmehr ſoll jeder Prediger nur Gottes Wort predigen ohne irgend eine Beimiſchung von Menſchengedanken. Jerem. 23, 28.: „Ein Prophet, der Träume hat, der predige Träume; wer aber mein Wort hat, der predige meine Wort recht. Wie reimen ſich Stroh und Weizen zuſammen? ſpricht der HErr.“ 1 Petr. 4, 11. heißt es von dem, was in der Kirche Gottes erſchallen ſoll: „So jemand redet, daß er es rede als Gottes Wort.“ Jeder Prediger ſoll nicht bloß Stücke, ſondern das ganze Wort Gottes verkündigen, wie Paulus von ſich ſagt Apoſt. 20, 27: „Ich habe euch nichts verhalten, daß ich euch nicht verkündigt hätte alle den Rath Gottes.“ Der Prediger ſoll nichts zu dem Wort, das Gott uns ge⸗ geben hat, hinzuthun und nichts davonthun, 5 Moſ. 12, 32. Offenb. 22, 18. 19. Matth. 5, 19. heißt es in ernſtlicher Drohung: „Wer eins von dieſen kleinſten Geboten auflöſet und lehret die Leute alſo, der wird der Kleinſte heißen im Himmelreich.“ Und was die Zuhörer betrifft, ſo iſt ihnen geboten, das ganze gepredigte oder geleſene Wort Gottes anzunehmen. Chriſtus ſpricht tadelnd zu den Emmausjüngern, Luc. 24, 25.: „O ihr Thoren und träges Herzens zu glauben alle dem, das die Propheten ge⸗ redet haben.“ Wenn Prediger es ſich herausnehmen, von dem Worte Gottes abzuweichen, ſo ſollen die Zuhörer ſich von ihnen abwenden. Röm. 16, 17.: „Ich ermahne euch, lieben Brüder, daß ihr aufſehet auf die, die da Zertrennung und Aergerniß anrichten neben der Lehre, die ihr gelernt habt, und weichet von denſelbigen.“ Es iſt, wir wiederholen es, wahrlich unbegreiflich, wie ſolche Leute, welche die heilige Schrift zu glauben vorgeben, noch von verſchiedenen, gleichberechtigten Richtungen in der Kirche reden können. Nur eine Richtung iſt nach der Schrift berechtigt, nämlich die, welche Gottes ganzes Wort annimmt, ohne etwas dazu oder davon zu thun. So gewiß Gott in ſeiner Kirche nur eine, die von ihm geoffenbarte Lehre will, ſo gewiß will er nur dieſe eine „Richtung“ in der Kirche. Daß es andere „Denominationen“ gibt, kommt nicht von Gottes unaus⸗ denklicher Weisheit, ſondern von der Sünde, von der Thorheit der Men⸗ ſchen, von dem Unglauben, der Gottes Wort nicht annehmen will. Daß es Reformirte und Papiſten gibt, iſt nicht von Gott gewollt, nicht von Gott gewirkt, ſondern nur von Gott zugelaſſen, wie jede andere Sünde.