# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1888_S20 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 20 Verhandlungen der zwölften Verſammlung Die Antworten auf dieſe Einwürfe ſind ſchon in dem Vortrag des Referenten enthalten. In dem Spruch 1 Cor. 13, 9. ff. hat Paulus unſer Wiſſen in dieſer Zeit im Vergleich mit dem in der Ewigkeit im Auge, nicht den Gegenſatz zwiſchen Wahrheit haben und nicht haben. — Und wenn ſchon in der erſten Gemeinde verſchiedene Auffaſſungen über gewiſſe Dinge ſich fanden, ſo hören wir doch nicht, daß ſie ſagten: „Das ſchadet nichts; äußere Union iſt doch die Hauptſache; wir werden doch nie alle einig.“ Nein, ſie kommen zuſammen und berathen, bis ſie einig geworden ſind. Theſis III. Dieſe Einigkeit im Glauben iſt von Gott gewollt, weil Gott ſowohl die gläubige Annahme ſeiner ganzen Offenbarung befiehlt als auch jede Abweichung von derſelben ſtreng verbietet. Es fehlt nicht an Solchen, welche geradezu behaupten, es ſei nicht dem Willen Gottes gemäß, auf völlige Einigkeit im Glauben zu dringen. So⸗ gar innerhalb der lutheriſchen Kirche hat man es als etwas Gutes, näm⸗ lich als ein Kennzeichen des regen geiſtlichen Lebens hingeſtellt, wenn man über einige Lehren in Streit ſtehe und nicht ſo ganz einig ſei. Es iſt heut⸗ zutage die Anſicht ganz allgemein, daß verſchiedene Richtungen in der Kirche berechtigt ſeien. So ſprach ſich noch kürzlich eine innerhalb des General Council erſcheinende Zeitſchrift („Kelle und Schwert“) aus. Da hieß es unter Anderem: „Wir kämpfen gegen keine andere Denomination als ſolche.“ Und: „Wir erkennen in dem Vorhandenſein verſchiedener Kirchen auf Erden die unausdenkliche Weisheit, aber auch die herablaſſende Leut⸗ ſeligkeit des Gottes, der, wie die perſönlichen Beſonderheiten einzelner Individuen, ſo auch die nationalen Eigenthümlichkeiten ganzer Völker be⸗ rückſichtigt und mit aufnimmt in den Plan ſeiner Erziehung, in den Rath ſeiner Erlöſung, in das Werk ſeiner Heilsanbietung.“ Daß alſo neben den Lutheranern auch Reformirte und Papiſten vorhanden ſind — denn auch dieſe letzteren werden ausdrücklich unter den „andern Denominationen“ ge⸗ nannt —, daß man alſo in der Lehre uneinig iſt, oder vielmehr, daß die Reformirten und Papiſten in vielen Stücken von der Wahrheit abweichen, das ſei zuzuſchreiben der „unausdenklichen Weisheit Gottes“! Blicken wir in die Chriſtenheit, ſo gewahren wir auch wenig Beſtreben, Einigkeit im Glauben herzuſtellen. Man leſe z. B. Berichte über deutſche kirchliche Verſammlungen. Man geſteht zu, daß man in der Lehre nicht übereinſtimme. Aber man arbeitet nun nicht mit allem Ernſt auf das Ziel hin, in der Lehre einig zu werden. Man handelt auf den Confe⸗ renzen meiſtens über äußerliche Dinge, ſelten über die Lehre. Und dann noch nicht in dem Sinne, daß man in der Lehre ganz eins werden müſſe und alle Gottes Wort widerſprechende Lehre abzuſtellen ſei.