# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1888_S18 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 18 Verhandlungen der zwölften Verſammlung Die chriſtliche Wahrheit ſoll ſich vertheilen auf die verſchiedenen Ge⸗ meinſchaften: die eine habe mehr, die andere weniger davon; aber keine dürfe ſich des Beſitzes der ganzen, vollen Wahrheit rühmen. Ja, der Zweifel an der Wahrheit, das heidniſche Suchen nach Wahrheit iſt Mode geworden und will ſich als chriſtliche Tugend aufſpielen. Kommt es doch vor, daß man ſelbſt in Verbindungen, die den Namen „lutheriſch“ tragen, über pure doctrine ſpottet. Man beſchuldigt uns auch wohl der Hinnei⸗ gung zur papiſtiſchen Unfehlbarkeitslehre, wenn wir behaupten, daß wir in allen Artikeln der chriſtlichen Lehre die Wahrheit haben und ſomit in völliger Einigkeit des Glaubens ſtehen. Aber dieſem Vorwurf kann nur große Unwiſſenheit oder Bosheit zu Grunde liegen. Der Pabſt behauptet, er für ſeine Perſon ſei unfehlbar ohne, neben, ja, wider Gottes Wort. Wir geſtehen zu, daß wir perſönlich irren können, ja, daß wir, wenn es auf uns ankommt, in geiſtlichen Dingen nur irren können. Aber in der Lehre irren wir nicht, ſondern ſind wir unfehlbar, inſofern und weil wir auf Gottes Wort ſtehen, wie es lautet. Wir reden, wie Gottes Wort redet. Wir brauchen in allen Lehren nur nachzuſagen, was Gottes Wort uns ſo deutlich vorſagt; das iſt unſere ganze Kunſt. Die lutheriſche Kirche behauptet nur deshalb, im Beſitz der ge⸗ wiſſen ganzen Wahrheit zu ſein, weil ſie das gewiſſe ganze Wort Gottes annimmt, wie es lautet. Die Wahrheit, daß uns ja noch das ſündliche Fleiſch anhängt, bildet keine Inſtanz. Trotzdem daß wir noch Sünder ſind, iſt doch unſere Lehre recht und göttliche Wahrheit. Unſer Lehren beſteht eben darin, daß wir nachſagen, was Gott uns vorſagt. Das in der Schrift Geoffenbarte geht nicht in der Weiſe durch uns hindurch, daß wir aus unſerem Eigenen etwas hinzuthun müßten, ſo daß das von uns Gelehrte nun etwa halb göttlich und halb menſchlich, halb wahr und halb falſch wäre, ſondern die Prediger ſind, wenn es durch Gottes Gnade recht bei ihnen ſteht, nur der Mund Gottes. Sie legen nicht ihre eigenen Gedanken, ſondern die in der Schrift klar geoffenbarten Gedanken Gottes vor. Ein Prediger ſoll ſagen können: „Was ich euch geſagt habe, das iſt göttliche Wahrheit.“ Luther erinnert, daß wer nicht ſo ſprechen könne, das Predigen nur anſtehen laſſen ſolle. Wir dürfen daher Fehlbarkeit im Leben und Fehlbarkeit in der Lehre nicht verwechſeln. Aus der erſteren folgt nicht die letztere, weil die Lehre infolge der Deutlichkeit der heiligen Schrift aus unſerer Hand genommen iſt. Alle Ungewißheit und alles Abirren in Sachen der chriſtlichen Lehre kommt nur daher, daß man das klare Wort Gottes beiſeite liegen läßt und, was das Wort Gottes ſagt, nicht nachſagen will. Man folgt den Tra⸗ ditionen der Kirche oder der menſchlichen Vernunft oder ſeiner vorgefaßten Meinung und läßt ſich dadurch von der göttlichen Offenbarung der Schrift abwenden. Es iſt ein großer Selbſtbetrug, wenn man ſagt: „Aus der Schrift kann man doch nicht ſicher alle Artikel der chriſtlichen Lehre ent⸗