# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1888_S17 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗Amerika. 1888. 17 Wir behaupten das Gegentheil. Ja, wenn es ſich um Uebereinſtim⸗ mung in dunkeln Menſchenmeinungen oder in ſchwer zu erfaſſenden philo⸗ ſophiſchen Problemen handelte, da wäre eine Einigung unmöglich. Aber es handelt ſich hier um Uebereinſtimmung in den Artikeln der in der heili⸗ gen Schrift von Gott ſelbſt geoffenbarten Lehre. Und wie iſt nun dieſe Lehre offenbart? Nicht dunkel und unverſtändlich. Es bedarf keiner großen menſchlichen Künſte, die geoffenbarte Wahrheit zu erkennen. Hier iſt nur nöthig der einfältige Glaube an Gottes Wort. Wer dem Wort der Schrift glaubt, hat die Wahrheit. Es ſteht nicht ſo, daß in Gottes Wort nur dunkle Andeutungen, nur Anſätze zu den Glau⸗ benswahrheiten ſich fänden, und daß die Menſchen mit ihrer Klugheit und Kunſt die eigentlichen Glaubenslehren ſelbſt conſtruiren müßten. Es ſteht nicht ſo, daß Gott der HErr in ſeiner Offenbarung nur A ſagt und der Klugheit der Menſchen überlaſſen hätte, B und C zu ſagen und alſo das Alphabet der chriſtlichen Lehre ſelbſt zu finden. Nein, alle Artikel der chriſtlichen Lehre liegen in der Schrift in klaren Worten geoffenbart vor. Gott hat in der heiligen Schrift das ganze Abece der chriſtlichen Lehre vor⸗ geſagt. Es bedarf nur der Hinnahme des Geoffenbarten, des Nachſagens deſſen, das vorgeſagt iſt, des einfältigen Glaubens. Und die heilige Schrift iſt klar und deutlich für alle Chriſten, nicht bloß für die Paſtoren. Alle Artikel der Lehre ſind an ſolchen Stellen der Schrift offenbart, zu welchen Gelehrten und Ungelehrten gleichermaßen der Zugang offenſteht. Das iſt ſo gewiß wahr, ſo gewiß die Schrift von ſich ſagt, ſie ſei für alle Chriſten ein Licht, 2 Petr. 1, 19., ein Wort, welches die Albernen weiſe macht, Pſ. 19, 9., das ſchon die Kinder verſtehen können, 2 Tim. 3, 15., und ſo gewiß alle Chriſten nach dieſem Wort der Schrift alle ihnen vorgetragene Lehre prüfen ſollen. Gottes Abſicht mit der Schrift iſt nicht, den Men⸗ ſchen Räthſel aufzugeben, ſondern dem ganzen Menſchengeſchlecht das Heil zu offenbaren. Wer die Möglichkeit der Einigkeit im Glauben leugnet, der muß auch leugnen, daß die heilige Schrift deutlich iſt. So gewiß der ganze chriſtliche Glaube klar in der Schrift offenbart iſt, ſo gewiß iſt Einigkeit im Glauben möglich. Die Einigkeit im Glauben iſt aber nicht bloß möglich, ſondern ſie iſt auch wirklich. Dafür hat Gott durch ſein klares und zugleich kräfti⸗ ges Wort geſorgt. Ein Beiſpiel dafür iſt die lutheriſche Kirche. Wir Lutheraner — das wiſſen wir gewiß — haben die ganze in der heiligen Schrift geoffenbarte Heilslehre und ſind ſomit im Glauben einig. In ſol⸗ cher Einigkeit ſtehen aber nicht bloß die Paſtoren, ſondern auch die ſoge⸗ nannten Laien. Das iſt ſo gewiß, ſo gewiß auch ſie z. B. unſern Kleinen Katechismus kennen und glauben. Solche Reden ſind freilich in unſerer Zeit ſehr anſtößig. Man will nur „Anſichten“ über die chriſtliche Lehre gelten laſſen. Keine chriſtliche Gemeinſchaft ſoll ſagen, daß ſie gewiß die ganze, volle Wahrheit habe.