# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1858_S260 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 260 Die Kirche Norwegens. der Kirche und daneben durch Klarheit, die sich in durchsichtigem mündlichem, wie schriftlichem Vortrage äußert. Seine Wirksamkeit beschränkt sich nicht allein auf den Katheder, sondern er greift mit Wort und That in wichtige Lebensfragen der Kirche ein. Er ist darum auch eine persona publica, sein Name wird im Volke vielfach genannt und auf sein Wort ein großes Gewicht gelegt. Es ist nicht zu viel gesagt, sondern bewährte sich in den letzten Bewegungen, was ein Grundtvigianisch gesinnter Geistlicher zu Kopenhagen sagte, daß „die Erweckten“ auf J. sehen. Mild, wo es die Personen gilt, ist er doch nicht geneigt, in indifferentistischer Weichherzigkeit Thüren und Thore der lutherischen Kirche, welche ihm die Kirche mit reinem Wort und Sacrament ist, für fremde, ihr feindliche und sie zerstörende Lehren zu öffnen. Die beiden anderen Lehrer, Diedrichson und Tönder⸗Nissen, stehen den Genannten, so weit meine Kunde reicht, in ihrem Amte im selben Geiste einmüthig zur Seite. An dem praktischen theologischen Seminar, welches von der Facultät getrennt ist, stand bis zum Jahre 1856 der jetzige Pastor Grimelund, ein wissenschaftlich klarer und tüchtiger, dabei geistlich lebendiger Mann, dessen Grundriß der praktischen Theologie ein umsichtiges und brauchbares Werk ist, als Lehrer der Homiletik, Liturgik und Pastoraltheologie. Die jungen Theologen wurden nicht nur hingewiesen auf das, was im Allgemeinen zur gedeihlichen Amtsführung gehört, sondern auch veranlaßt, die brennenden Fragen in der Kirche Norwegens in's Auge zu fassen. Dies zeigen am besten einige der Aufgaben, welche in den letzten Jahren beim praktisch⸗theologischen Examen gestellt wurden. „Was ist unter dem subjectiven Beruf zum Predigtamte zu verstehen, und welches sind dessen wesentliche Kriterien?“ „Die Bedeutung und Wirkung der Priesterordination von evangelisch⸗lutherischem Standpunkte.“ „Mit welchen Hauptrichtungen falscher Geistlichkeit (Spiritualismus) wird der Prediger besonders in unsern Tagen in seiner kirchlichen Amtsführung zu thun bekommen, und welche allgemeinen Regeln können für sein Verhältniß zu denselben aufgestellt werden?“ „Kann der objective Beruf zum Kirchenamte — besonders vom lutherischen Standpunkte aus betrachtet — entbehrt oder durch den subjectiven überflüssig gemacht werden?“ „Kann es nach dem Zweck der kirchlichen Amtswirksamkeit genug sein, daß der Priester seine Pfarrkinder als eine unverbundene Schaar erlösungsbedürftiger Individuen betrachtet und behandelt?“ Es sind das Fragen, welche die Gemüther vielfach bewegen, und nicht immer ihre besonnene Beantwortung finden. Wie kirchenzerstörend verkehrte Meinungen darüber wirken können, und wie wichtig es ist, daß die Diener der Kirche hier ein klares und scharfes Auge bekommen, liegt wohl für Jeden auf der Hand. Von der Universität sind eine nicht unbedeutende Anzahl wackerer Geistlichen ausgegangen, und das Zusammentreffen mit Manchen von ihnen ist