# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1888_S16 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 16 Verhandlungen der zwölften Verſammlung einzelnen Stelle nicht mit uns ſtimmen; iſt ſeine Auslegung ſonſt dem Glauben ähnlich, ſo kann er mit uns einig ſein. — Ganz anders ſteht die Sache, wenn jemand Theile der heiligen Schrift nicht bloß nicht kennt, ſondern, obwohl er ſie kennt, geradezu leugnet und verwirft. Wenn jemand z. B. leugnet, daß Bileams Eſelin geredet habe, ſo offenbart er damit, daß er die Autorität der Schrift verwirft und keinen Artikel der chriſtlichen Lehre deshalb annimmt, weil er in der Schrift ge⸗ offenbart iſt. Von einer Einigkeit im Glauben mit der Chriſtenheit kann hier gar nicht die Rede ſein. Iſt durch das Wort „Uebereinſtimmung“ in der Theſe auch die Zu⸗ verſicht mit ausgedrückt, ohne welche der Glaube kein rechter Glaube iſt? Wäre auch ſchon Uebereinſtimmung da bei bloßem Beifall (assensus)? Antwort: Wenn wir hier von der Einigkeit im Glauben reden, die durch die „Uebereinſtimmung in allen Artikeln der chriſtlichen Lehre“ näher erklärt wird, ſo verſtehen wir unter dem „Glauben“ den vom Heiligen Geiſt gewirkten Glauben. Dieſer begreift auch ſtets die Zuverſicht in ſich. Es gibt nie einen Theil des vom Heiligen Geiſt gewirkten ſubjectiven Glau⸗ bens allein. Wer die Erkenntniß hat, der hat auch den Beifall und die Zuverſicht. Die Eintheilung des Glaubens in notitia, assensus und fidu- cia iſt nur eine begriffliche. Thatſächlich beſteht nie ein Theil für ſich. So iſt auch in Theſis I die fiducia mitbegriffen. Wo bloß eine äußere, hiſtoriſche Kenntniß der Artikel der chriſtlichen Lehre vorliegt, kann vom chriſtlichen Glauben und von einer Uebereinſtimmung in demſelben mit Andern gar nicht die Rede ſein. Theſis II. Dieſe Einigkeit im Glauben iſt möglich, weil alle Artikel der chriſtlichen Lehre in der heiligen Schrift klar geoffenbart ſind. Wir haben mitten in der Chriſtenheit die wunderbare Erſcheinung, daß die Möglichkeit der Uebereinſtimmung in allen Artikeln der Lehre beſtritten wird. Man ſpricht es bei den Unionsbeſtrebungen, wie ſie ge⸗ rade jetzt wieder ſich geltend machen, offen aus, eine Uebereinſtimmung und Vereinigung auf Grund der Lehre ſei unmöglich. Man dürfe, was die Lehre betrifft, Uebereinſtimmung nur in einigen Hauptartikeln fordern; im Uebrigen müſſe man ſich mit einer ſogenannten organiſchen Einigkeit, einer Einigkeit im Kirchenregiment, in der Gottesdienſtordnung u. ſ. w. begnügen. Man ſagt, wir jagen bei unſerer Forderung einer Einigkeit in der Lehre einem Schattenbilde nach. Freilich reden nicht Alle ſo offen. Aber allen Unionsbeſtrebungen, bei denen man von der Einigkeit im Glauben abſieht, und dagegen in äußeren Dingen ſich uniformiren will, liegt auch der Gedanke zu Grunde, daß eine Einigung in der Lehre un⸗ möglich ſei.