# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1888_S12 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 12 Verhandlungen der zwölften Verſammlung Art. 7., an, ſo finden wir, daß das zur wahren Einigkeit Genügende be⸗ ſchränkt wird auf das Evangelium und die Sacramente. Aehnlich laſſen ſich auch die Dogmatiker hören. Quenſtedt ſagt z. B., ſtrict zu reden ſeien unter Glaubenslehren nicht mit zu verſtehen die moraliſchen Gebote, Vor⸗ ſchriften, Erzählungen u. ſ. w. Unſere Kirche redet hier alſo nicht von allen Lehren, ſondern nur von den Lehren des Evangeliums, des Glaubens. Sollen nun in dieſer Theſe alle Lehren, auch die, welche das Geſetz betreffen, gemeint ſein? Dann wäre in der Theſe der Begriff deſſen, was zur Einig⸗ keit genug ſein ſoll, nicht ganz ſo wie in der Auguſtana. — Es wurde er⸗ klärt: Auch in der Theſe iſt nur das Evangelium gemeint. Wenn wir von „Artikeln der chriſtlichen Lehre“ reden, ſo iſt darunter zu ver⸗ ſtehen die Offenbarung und Predigt von Chriſto — Christus revelatus, Christus praedicatus. Das Geſetz kommt hier nicht in Betracht. Der Grund, auf welchem die chriſtliche Kirche erbaut iſt, iſt Chriſtus, das Evan⸗ gelium. Das Geſetz iſt ja nicht der chriſtlichen Kirche eigenthümlich, ſon⸗ dern es iſt allen Menſchen gemein. Wenn ein Menſch auch das ganze Geſetz kennt und auch unter der Wirkung desſelben ſteht, ſo hat er noch nichts von dem, was einen Sünder zu einem Chriſten und gläubigen Kinde Gottes macht. Das Geſetz macht nicht die Kirche, das Geſetz macht die Kirche auch nicht einig. Das thut allein das Evangelium. Darum gehört das Geſetz auch nicht in eine Definition der chriſtlichen Einigkeit oder der Einigkeit im Glauben hinein. Man wirft vielleicht ein: Wie ſteht es mit dem Geſetz? Iſt das der Willkür der Menſchen anheimgegeben? Müſſen wir jemand, der z. B. das ſiebente Gebot verwirft, dabei aber die Lehren des Evangeliums anzunehmen behauptet, als Glaubensbruder anerkennen? — Das Geſetz iſt ſchon der Vernunft klar, es wird ſchon durch die Vernunft erkannt. Gott hat in der Schrift den Spiegel des Geſetzes nur neu aufpolirt. Wer daher Stücke des Geſetzes verwirft, zu dem ſprechen wir mit Recht: Wie kannſt du die Lehren des Evangeliums annehmen und zur Kirche gehören, wenn du noch nicht einmal das Geſetz, welches ja ſchon der Vernunft einleuchtet, an⸗ nehmen willſt? — Ferner: wer z. B. nicht die Lehren von der Sünde, vom Verderben des Menſchen ꝛc., die an ſich Geſetz ſind, aber auch in un⸗ ſeren Bekenntnißſchriften bekannt werden, annehmen wollte, von dem wiſſen wir beſtimmt, daß er im Glauben mit uns nicht einig ſein kann. Niemand kann die Lehre von Chriſto annehmen und mit voller Wahrheit bekennen, der auf der andern Seite lehrt: Im Grunde brauchen wir keinen Heiland. So iſt es auch mit anderen Lehren, deren Leugnung einer Leug⸗ nung gewiſſer Artikel des Evangeliums ſelber gleichkommt. Daher werden z. B. die Pelagianer von der lutheriſchen Kirche verworfen und die Glau⸗ bensbrüderſchaft mit ihnen wird abgewieſen. Sodann müſſen wir von Jedem, der behauptet, mit uns im Glauben einig zu ſein, fordern, daß er ſich jedem Wort Gottes unterwirft. Das iſt ja der Grund für