# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1888_S9 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗Amerika. 1888. 9 an dieſen Bezeichnungen, die unſerer Zeit ſo anſtößig ſind, feſt? Weil ſie überzeugt iſt: es iſt Gottes ernſtlicher Wille und Befehl, daß in der Kirche ſein ganzes Wort angenommen werde und im Schwange gehe. Wo das der Fall iſt, da hat die Kirche die Geſtalt, die ſie nach Gottes Willen haben ſoll. Eine ſolche Kirche trägt daher mit Recht den Namen „rechtgläubige“ Kirche. Wo jenes nicht der Fall iſt, da liegt ein großer Mangel, eine ſchwere Sünde vor, und eine Gemeinſchaft, in welcher dieſer Mangel, dieſe Sünde vorliegt, wird mit Recht eine irrgläubige oder verderbte Kirche oder eine Secte genannt. Die Stellung zu Gottes Wort entſcheidet über den Charakter einer kirchlichen Gemeinſchaft. Die Kirche iſt erbauet auf den Grund der Apoſtel und Propheten, das heißt, auf Gottes geoffenbartes Wort. Wenn nun eine Gemeinſchaft dies der Kirche eigenthümliche Fundament ganz und gar verlaſſen hat. bekennt ſie nicht mehr weſentliche Stücke des Wortes Gottes, und ſteht es daher ſo, daß in dieſer Gemeinſchaft ihrem Bekenntniß nach nicht mehr der ſelig⸗ machende Glaube an Chriſtum gewirkt werden kann, ſo iſt dieſe Gemein⸗ ſchaft ein außerhalb der Kirche ſtehender Haufe. So ſagt z. B. die Apologie, daß diejenigen, welche nicht mehr die heilige Dreieinigkeit bekennen, außerhalb der Kirche Chriſti ſeien. (Müller, S. 77.) Eine Gemeinſchaft, welche noch Hauptartikel der chriſtlichen Lehre feſthält, aber dieſe oder jene klar geoffenbarten Artikel der Lehre verwirft, iſt eine Secte. Eine Ge⸗ meinſchaft dagegen, die alle Stücke der göttlichen Lehre annimmt und bekennt, iſt eine rechtgläubige Gemeinſchaft, eine Gemeinſchaft, wie ſie ſein ſoll. Mit unſerer Beſchreibung der Einigkeit im Glauben wenden wir uns zunächſt gegen diejenigen, welche dieſe oder jene Artikel der chriſtlichen Lehre, als zu wahrer kirchlicher Einigkeit nicht nöthig, preisgeben. Dieſe unioniſtiſche Geſinnung macht ſich allenthalben in der Kirche breit, ja, man kann ſagen, daß ſie wie ein breiter verheerender Strom faſt⸗alles überſchwemmt hat. Die Union, wie ſie in Preußen und andern Ländern Deutſchlands beſteht, iſt gebaut auf dieſen Grundſatz, daß die Ueberein⸗ ſtimmung in den Artikeln, welche zwiſchen Lutheranern und Reformirten ſtreitig ſind, nicht weſentlich ſei zur Einigkeit im Glauben. Doch die unioniſtiſche Geſinnung reicht weit über die kirchenregimentliche Union hinaus. Die ganze moderne Theologie iſt unioniſtiſch. Sie erklärt es für eine Ueberſpannung der Lehreinheit, wenn man Uebereinſtimmung in allen Artikeln fordere. Die reformirten Secten hierzulande reden von „orthodoxen“ Lehrern und Gemeinſchaften und verſtehen darunter ſolche, welche einige Hauptlehren, z. B. die Lehre von der Inſpiration, von der Gottheit Chriſti, von der Nothwendigkeit der Bekehrung, feſthalten. Andere klare Lehren des Wortes Gottes geben ſie unbedenklich preis. Die bekannte „Evangeliſche Allianz“, welche 1846 in London geſtiftet wurde, iſt auf demſelben Grunde erbaut. Sie fordert von ihren Gliedern nicht Ueber⸗