# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1888_S7 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗Amerika. 1888. 7 mäß lehren, in der reformirten Kirche, in den reformirten Secten, ja, auch in der römiſchen Kirche wahre Chriſten, Kinder Gottes, ſich finden. Dieſe — die Kinder Gottes — ſind mit uns einig im eigentlichen Fundament des Glaubens, namentlich im Artikel von der Rechtfertigung. Sie glauben mit uns, daß ſie allein aus Gnaden um Chriſti willen gerecht und ſelig werden. Ohne dieſen Glauben kann niemand ein Chriſt ſein. Dieſen Glau⸗ ben haben daher auch die Kinder Gottes ſelbſt unter dem Pabſtthum. Das Pabſtthum als ſolches verwirft freilich nicht nur den Artikel von der Recht⸗ fertigung, ſondern verflucht geradezu dies Fundament, auf welchem jeder wahre Chriſt ſteht, und offenbart ſich dadurch als das Antichriſtenthum. Aber im Pabſtthum wird doch noch, worauf Luther immer hinweiſt, z. B. der Text der Evangelien und Epiſteln verleſen. Wenn da eine arme Seele das Wort der Schrift vernimmt: „Alſo hat Gott die Welt geliebet, daß er ſei⸗ nen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht ver⸗ loren werden, ſondern das ewige Leben haben“, — ſo nimmt ſie wohl durch Wirkung des Heiligen Geiſtes dies Wort Gottes an trotz der Läſterungen des papiſtiſchen Pfaffen, der Maria und die Heiligen als Heilande anpreiſt. Wir Lutheraner behaupten daher zwar, daß die lutheriſche Kirche die recht⸗ gläubige ſei, weil ſie das ganze Wort Gottes lauter und rein hat; aber wir erklären die lutheriſche Kirche nicht für die alleinſeligmachende. Wir behaupten nicht, daß nur in der lutheriſchen Kirche Kinder Gottes geboren werden. Vielmehr geſtehen wir zu, daß es überall Chriſten gebe, wo ſich noch weſentliche Stücke des Wortes Gottes finden. Wie Luther zu Gal. 1, 2. bemerkt: „Wo das Wort und Sacrament weſentlich bleiben, da bleibet auch eine heilige Kirche.“ Wenn man uns demnach die Frage vorlegt: „Können nicht auch Solche, die in dem einen oder andern Stück der in Gottes Wort geoffenbarten Lehre irren, den Glauben haben und ſelig werden?“, ſo antworten wir mit einem entſchiedenen Ja! Es gibt Chri⸗ ſten, welche aus Schwachheit irren. Solche gibt es auch innerhalb der rechtgläubigen Kirche. Es gibt auch innerhalb der lutheriſchen Kirche ſchwache, irrende Chriſten, Chriſten, die nicht in allen Stücken der chriſt⸗ lichen Lehre den rechten Verſtand erreicht haben oder wenigſtens zeitweilig in dieſem oder jenem Artikel wieder irre geworden ſind. Dieſe erklären wir nicht ſofort für Unchriſten und behandeln ſie auch nicht als ſolche. Aber dies Zugeſtändniß, daß es Chriſten gibt, die in einigen Artikeln der chriſtlichen Lehre irren, kann uns nicht bewegen, die Einigkeit im Glau⸗ ben anders zu definiren, als es in Theſis I geſchehen iſt. Wir reden von der Einigkeit im Glauben, wie ſie nach Gottes Willen beſchaffen ſein ſoll. Und das iſt die Uebereinſtimmung nicht bloß in einigen, ſondern in allen Artikeln der chriſtlichen Lehre. So hat die lutheriſche Kirche die gottgewollte Einigkeit im Glauben aufgefaßt. Sie definirt im 7. Artikel der Augsburgiſchen Confeſſion die „wahre Einigkeit der chriſtlichen Kirche“ ſo: „daß da einträchtiglich