# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1858_S259 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Kirche Norwegens. 259 es daher für Gewissenspflicht halten, ermahnend und erbauend befreundete Kreise zu besuchen. Indessen diese „Haugeanische Partei“ im engern Sinne ist wohl nicht das hauptsächlichste Ergebniß von Hauge's Wirken; sie möchte immerhin verschwinden, aber wenn sie nicht mehr existirte, so wäre darum Hauge's Predigt doch nicht erfolglos gewesen. Die Hauptsache ist die von ihm ausgegangene religiöse Anregung im Ganzen, und die ist so wenig vorüber, daß, wie schon erwähnt, das Bewußtsein derselben noch in weiten Kreisen lebendig ist. Ein einzelnes Denkmal „Haugeanischer Thätigkeit“ möge hier eine Erwähnung finden, das Josephinenstift in Stavanger, ein Asyl und eine Unterrichts⸗ und Erziehungsanstalt für Mädchen, gestiftet aus freien Liebesgaben. Zur Zeit meines Besuches waren in derselben 24 Kinder, deren Erscheinung, wie die ganze Einrichtung der Anstalt einen erfreulichen Eindruck machte. Die Zeit des alten sogenannten Rationalismus vulgaris möchte auch wohl für Norwegen vorbei sein, wenn auch seine Nachwirkungen und Nachwehen noch spürbar sind, wenn die hie und da verlautenden Klagen über unkräftige, mangelhafte, schwächliche Verkündigung des Wortes, der bei allem Anschein kirchlicher Rechtgläubigkeit doch noch viel von dem alten Sauerteige einwohnt, auch nicht überall ohne Grund sein mögen, wenn auch Widerspruch und Feindschaft gegen die neue Lebensregung in Geistlichkeit und Volk sich zeigen. Die Kirche steht in einem Gährungs⸗ und Entwicklungsprozeß, der bei allem Trübenden und Störenden doch einen erfreulichen Fortgang nehmen kann. Wenigstens hat die Staatskirche, von welcher hier zunächst die Rede ist, Vieles, was ihr eine gedeihliche Entwicklung sichert, und es finden sich viele Lebenszeichen, welche dafür bürgen, daß ein Ringen nach Entwicklung und Kräftigung ihres Lebens vorhanden ist. Von großer Bedeutung ist die Hochschule, als die Bildungsstätte der künftigen Diener der Kirche, und es möge denn hier auch als eine für die Norwegische Kirche wichtige Thatsache erwähnt werden, daß die theologische Facultät auf entschieden kirchlich gläubigem Standpunkte steht und darin einig ist. Eines ihrer Glieder, Professor Caspari, ist auch in seinem Vaterlande, Deutschland, bekannt als gelehrter Exeget des alten Testaments einerseits, und andererseits als dem Bekenntniß der lutherischen Kirche von Herzen zugethan. War es doch seine Abneigung gegen die Union, welche seine Anstellung in Preußen vereitelte. Sein Verhältniß zu den Studirenden ist ein sehr erfreuliches; er zieht sie zu einem vertraulichen Verhältniß an sich heran, wirkt anregend auf sie, und genießt einer herzlichen Liebe und Anhänglichkeit. Ich war noch Zeuge des freudigen Eindruckes, welchen sein Entschluß, in Norwegen zu bleiben und den Ruf nach Erlangen abzulehnen, erweckte. Neben C. wirkt Lector Gisle Johnson, Lehrer der systematischen Theologie, ein Mann, ausgezeichnet durch Entschiedenheit, durch eine aus lebendig gläubigem Herzen stammende Theilnahme an dem Wohl und Wehe