# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1858_S258 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 258 Die Kirche Norwegens. Eine andere Gegenwirkung, hervorgegangen aus dem Volke, durch Hans Niels Hauge's Werk⸗ und Bußpredigt, ist auch kirchengeschichtlich bekannt. Er trat nicht allein gegen den rationalistischen Unglauben auf, sondern auch gegen das, was er todten Glauben nannte und warnte seine Freunde und Anhänger auch vor den Predigern, welche ihm zu viel und zu einseitig vom Glauben predigten. Seine Wirksamkeit war beseelt von pietistischem Geiste; Luther, Francke, Pontoppidan waren seine Lieblingsmänner, aus deren Predigten er eine Postille zusammenstellte, mit Hinzufügung mehrerer eigener Predigten, welche noch jetzt viel verbreitet ist und in erbaulichen Versammlungen gebraucht wird. Wie bedeutend seine Einwirkung gewesen, davon zeugt nicht nur der immer erneuerte Abdruck seiner Schriften, sondern die Art und Weise, wie sein Name und seine Thätigkeit unter allen Angeregten genannt und besprochen wird, von Laien, wie von Geistlichen, da auch Solche, welche mit seiner Richtung nicht in Allem einverstanden sind, doch sein Auftreten als ein wichtiges Moment erkennen müssen, welches mit dazu beigetragen hat, einen Wendepunkt in der Kirche Norwegens herbeizuführen. Konnte doch auch die Versammlung in Kopenhagen nicht umhin, Hauge's Bedeutung anzuerkennen. Wenn die Kirchenchronik von Matthes bemerkt, „es gebe in Norwegen noch sogenannte Haugeaner, die aber von keiner Bedeutung mehr seien,“ so liegt darin in sofern eine Wahrheit, als man eine abgeschlossene Partei im Auge hat. Es ist natürlich, daß der im weitern Kreise der Kirche erfolgte Umschwung das Bedürfniß eines engern Zusammenfließens Erweckter zu gemeinschaftlicher Erbauung verringert hat. Und die „Haugeaner“ wollten keine Partei oder Secte neben der Kirche bilden, sondern eine ecclesiola in ecclesia. Auch Hauge selbst, obwohl in manchen Unklarheiten befangen, wie es bei dem Standpunkte seiner Bildung erklärlich ist, in manche unrichtige, von der geraden Bahn abweichende Vorstellungen gerathend, und in seinem Eifer für subjectives Christenthum die Kirche mit ihren Gnadenmitteln in deren objectiver Bedeutung unterschätzend, hat doch nicht daran gedacht das Volk aus der Kirche herauszuführen. Noch im vorigen Jahre erklärte ein Haugeaner in seinem und in Anderer Namen, daß sie nicht gesonnen seien, aus der Landeskirche auszutreten und die Augsburgische Confession als den Ausdruck ihres Glaubens anerkännten. Ich selbst wurde von einem „Haugeaner,“ einem wackern alten Manne, gebeten, einen seiner Bekannten vom Austritt aus der Kirche, wozu er geneigt sein sollte, abzurathen. Von einer Ausbreitung der Partei dürfte wohl kaum die Rede sein, vielmehr eine Verringerung eher eintreten. Auch im Innern derselben lassen sich Klagen über eintretende Lauheit, Trägheit in gegenseitiger Ermahnung und Erbauung vernehmen. Doch giebt es noch manche eifrige Glieder unter ihnen, und zwar solche, an denen man eigentlich Sectirisches nicht bemerkt, die nichts mehr und nichts weniger sind, als lebendige ernste Christen, denen