# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1858_S257 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lehre und Wehre. Jahrgang IV. September 1858. No. 9. Die Kirche Norwegens.*) Norwegen hatte zu Ende des vorigen und zu Anfange dieses Jahrhunderts auch eine Periode durchzugehen, wo der Rationalismus die Kirche verheerte. Die Verbindung des Landes mit Dänemark, die Ausbildung der Geistlichen auf der Universität zu Kopenhagen, welche sehr stark durch deutsche Einflüsse inficirt war, der Verkehr mit dem Auslande durch Schifffahrt und Handel ließen auch in das entlegene Land und seine zum Theil im Gebirge versteckten Gemeinden den neuen Zeitgeist seine Wege finden. Wie weit diese Wirkungen sich erstreckten, läßt sich freilich nicht feststellen, und es steht zu hoffen, daß die Verheerung weder extensiv, noch intensiv eine solche Höhe erreicht hat, wie vielleicht in Deutschland und auch in Dänemark selbst. Aber arg genug war sie auch, und daß der Geist der Zeit auch auf die lähmend einwirken mußte, welche noch an der evangelischen Lehre hielten, davon haben wir ja in Deutschland Erfahrungen genug aus jener Zeit. Doch auch in Norwegen trat zeitig eine Gegenwirkung ein. Die politische Trennung von Dänemark entzog es in einem bedeutenden Maße der Einwirkung dieses Landes; an die neue Universität zu Christiania kamen 2 Männer, Stenersen und Hersleb, als Lehrer, welche gläubig an der biblischen Wahrheit festhielten und so dazu beitrugen, daß ein neues Geschlecht junger Geistlicher heranwuchs, welches wiederum das Evangelium von Christo zu verkündigen anfing. Die Namen jener beiden Männer stehen nicht nur bei Theologen noch in gutem Andenken, sondern wurden mir auch von manchen Laien mit großer Achtung genannt. Unter den Geistlichen verdient W. A. Wexels, residirender Kaplan zu Christiania, meines Wissens der Erste der in der Hauptstadt ruhig und entschieden das Evangelium predigte, und trotz alles Hohnes — er soll anfangs sogar oft mit Zischen und Pfeifen begrüßt sein — mit aller Treue anhielt. Er hat außerdem nicht nur als eifriger und gewissenhafter Seelsorger zum Segen vieler Seelen gewirkt, und thut es noch, sondern auch als Schriftsteller. Unter Anderem hat er 2 gediegene geistliche Liedersammlungen, mehrere erbauliche Schriften, auch eine Pastoraltheologie herausgegeben. Jetzt ist gerade er wohl der am meisten gehörte Prediger, und auch Gegner seiner kirchlichen Richtung können ihm doch ihre Achtung nicht versagen. *) Indem wir diesen interessanten Bericht mittheilen, bedarf es wohl der Bemerkung nicht, daß wir nicht im Stande sind, zu beurtheilen, ob es mit den Schilderungen der Zustände der Kirche Norwegens durchweg seine Richtigkeit hat. G. S.