# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1858_S256 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 256 Kirchlich - Zeitgeschichtliches. „Ich frage den Jüngling oder das Mädchen, welche nicht vergessen haben, wie die Furcht vor dem scheußlichen Tyrannen und vor der rauchenden Hölle jede junge Hoffnung vernichtet und jede kindliche Freude vergällt hat, ob sie anders können als solch' einen Gott und solch' eine Religion verfluchen!“ — — Genug aus dem teuflischen Schandblatte. Schrecklich ist es, daß nicht blos einzelne Verworfene so über ihren Schöpfer und Heiland denken und reden, sondern daß es in Amerika sowohl als in Europa schon viele, aus zahlreichen Mitgliedern bestehende Vereine giebt, die mit der Gluth satanischen Eifers ihren Gottes⸗ und Christushaß auf alle Weise auszubreiten suchen. Man bedenke, daß diese Greuelmenschen innerhalb des Gebiets der Kirche leben, und wohl meistens getauft sind. Kann nun der Abfall tiefer gehen, als daß ein Mensch seinen Gott, der ihn geschaffen und sein Blut für ihn am Kreuze vergossen hat, für ein Wesen von teuflischer Bosheit, also für einen Teufel erklärt, und ihm flucht? O die blinden Chiliasten, die immer noch den „Abfall“ erst erwarten! Der Abfall ist da in seiner ganzen satanischen Tiefe. Die Schrift erfüllt sich vor unsern Augen. Der HErr kann jeden Augenblick kommen. Ja, komm, HErr Jesu!! Amen. — II. Ausland. Die Löhianer. Es ist eine alte Erfahrung, wenn rechtgläubige Christen das Kleinod der reinen Lehre veruntreuen, daß sie dann auf Werke fallen und in denselben ihre Ruhe und ihren Ruhm suchen. Ein Beispiel hierzu sind die Löhianer. Nicht nur werden dieselben, je mehr sie die reine Lehre verlassen, immer werktreiberischer, sondern lassen auch vor sich posaunen, ja blasen ihre Posaunen nach Umständen wohl selbst. So findet sich in der „Evangelischen Kirchenzeitung“ von Berlin vom 8. Jan. ein längerer Correspondenzartikel von einem Löhianer, der alle großen und kleinen Thaten der Seinigen bis auf Kreuzer und Pfennige und selbst von Anderen gethane als selbstvollbrachte auch dem großen unirten Publicum vorzählt. Die praktischen Löhianer verstehen ihre Zeit; sie wissen recht gut, daß ein Register von allerlei Werken jetzt einen ganz anderen Eindruck macht, als das reine Evangelium. Leipzig. In der Nacht auf den 12. Mai starb Professor Dr. G. B. Winer nach zurückgelegtem 69. Lebensjahre. Hannover. Durch Verordnung vom 25. März 1858 hat das Consistorium zu Stade die Geistlichen des Herzogthums ermächtigt, wieder einige Stücke der im vorigen Jahrhundert völlig beseitigten Kirchenzucht in Uebung zu setzen. Die Verordnung sagt: Zwar sei an eine weitergreifende oder völlige Wiederherstellung der Kirchenzucht vor der Hand noch nicht zu denken. Man müsse sich dermalen mit Entziehung kirchlicher Ehren in gewissen notorischen Fällen begnügen, wohin z. B. bei gefallenen Personen die Versagung des Brautkranzes bei der Trauung, die Rüge des concubitus antecipatus ohne Nennung des Namens von der Kanzel zu rechnen sei, nur daß die Entziehung kirchlicher Ehren nicht blos auf die Unzuchtssünden beschränkt werde. Denn es sei auch dem Gottlosen und Ungläubigen in schreienden Fällen das kirchliche Begräbniß zu verweigern, wenn sie sich nicht vor ihrem Ende durch offenes Bekenntniß ihrer Schuld mit der Kirche versöhnt haben. Vielleicht ist doch auch die Abweisung solcher Menschen von der Pathenschaft und Aehnliches hier mit inbegriffen, worüber sich das Consistorium die letzte Entscheidung vorbehalten hat. Dasselbe räth dann zu großer Behutsamkeit, die gewiß nie mehr zu wünschen ist, als wenn solche häkelige Einrichtungen ins Leben eingeführt werden sollen. Was durch die Verordnung gewährt ist, sieht freilich nicht nach vielem aus. Die alten Provinzen des Königreichs, namentlich unter dem Bereiche der Lüneburger Kirchenordnung, haben längst mehr, auch die öffentliche Kirchenbuße besessen. Und doch ist es in Anbetracht von Zeit und Umständen ein sehr erfreulicher Fortschritt, der uns zeigt, was wir von dieser Behörde und dem Kirchenregimente zu erwarten haben, das hoffentlich eben so sicher als vorsichtig die betretene Bahn verfolgen wird. Das walte Gott!