# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1886_S66 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 66 Verhandlungen der elften Verſammlung ſagt iſt: das iſt die urſprüngliche. Und das iſt nun das herrliche Amt der Theologen, nachzuforſchen, welches die echte Lesart ſei. Obwohl, welche Lesarten man auch immer als die echten auswählen mag, die Lehren der Schrift immer dieſelben bleiben; in keinem Fall erfährt eine Lehre eine Veränderung, in keinem Fall geht dadurch eine verloren, in keinem Fall wird die Schrift dadurch um eine Lehre ärmer. Das müſſen alle Gelehrten, auch die die bitterſten Feinde der Schrift ſind, zugeben. Zwar finden ſich Stellen, in welchen verſchiedene Lesarten vorkommen und die, wenn man eine gewiſſe Lesart auswählt, dann eine gewiſſe Lehre nicht mehr beweiſen. Es iſt das aber merkwürdigerweiſe nur dann der Fall, wenn dieſe Lehre in vielen anderen Schriftſtellen feſtgegründet iſt. Sind hingegen zum Beweis einer Lehre nur ſehr wenig Schriftſtellen vorhanden, ſo lehrt die Ver⸗ gleichung derſelben, daß ſich darin keine den Sinn ändernden verſchiede⸗ nen Lesarten finden. Endlich ſagt man noch: Die heilige Schrift ſtelle gar keine Theorie auf über die Inſpiration, ſie gebe gar nicht das Wie? ihrer Entſtehung an. Nun iſt zwar das wahr: wie der Heilige Geiſt auf die heiligen Schreiber eingewirkt hat, werden wir nie erforſchen. Aber daß der Heilige Geiſt ſelbſt durch ſie geredet und geſchrieben hat, das lehrt die Schrift mit ausgedrückten Worten, das wiſſen wir und das iſt genug. Auch die modern⸗gläubigen Theologen geſtehen es ein, daß ſie eine beſtimmte Theorie, welche klar zeige, worin der Antheil Gottes an der Verabfaſſung der heiligen Schrift und der des Menſchen eigentlich beſtehe, noch nicht gefunden haben; aber dieſe Aufgabe zu löſen, ſei ohne Zweifel unſerer Zeit überlaſſen. Man ſieht eben den Wald vor Bäumen nicht. Die Lehre von der Inſpiration iſt in der Schrift gerade ſo klar geoffenbart, wie z. B. die Lehre von der Rechtfertigung, wenn man nur das Zeugniß der Schrift, das ſie von ſich ſelbſt gibt, hören und an⸗ nehmen will. Aber freilich, von dieſer Weiſe, die Lehre von der In⸗ ſpiration der Schrift zu gewinnen, will die neuere Theologie nichts wiſſen. Volck hat eine ganz neue Weiſe vorgeſchlagen: „Mein Verfahren“ — ſagt er — „unterſcheidet ſich von dem gebräuchlichen. Gewöhnlich beginnt man mit dem Satz: die heilige Schrift iſt inſpirirt, d. h., vom Geiſte Got⸗ tes eingegeben, und ſchließt“ (?) „dann von dieſem Satz aus auf die Be⸗ ſchaffenheit, welche die Schrift vermöge ſolchen Urſprungs haben müſſe. . . . Der umgekehrte Weg iſt der richtige, nämlich Gott nachzurechnen, wie er es gemacht hat. Man unterſuche zuerſt die Schrift, wie ſie uns vorliegt, erforſche ihr Weſen und ſuche zu verſtehen, was ſie ſein will, und ſchließe dann auf ihren Urſprung.“ (Die Bibel als Kanon, S. 32.) Wir wiſſen, wie dieſes „Gott nachrechnen“, dieſes „Unterſuchen“ der Schrift gemeint iſt! Die „Theologen“ ſollen ausrechnen, was Gottes würdig und ihm möglich ſei; vor Allem ſollen ſie den „geſchloſſenen Organismus“ in der Schrift nachweiſen und darnach den Werth und die Inſpiration der einzel⸗