# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1886_S65 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1886. 65 etwa der plattdeutſchen Sprache, die der Bittende allein verſteht, befleißigt ſich auch eines Styls, der dem Verſtand des Bittenden angemeſſen iſt: wäre das eines Gelehrten unwürdig? Gewiß nicht. Vielmehr bewieſe der Ge⸗ lehrte damit, daß er auch zugleich ein praktiſcher Kopf ſei. So hat's denn der liebe Gott auch gemacht in der Bibel. Da ſchreibt der Eine einen hohen Styl, der Andere ſchlicht und einfach. Wenn nun die Schrift von Men⸗ ſchen geleſen wird, ſo wird der Eine ſonderlich erfaßt durch Johannis Worte, der Andere wieder durch Pauli Worte u. ſ. w. Für jede Art von Men⸗ ſchen iſt die Schrift zugerichtet. Das iſt die göttliche Herablaſſung. Um ſolcher Darſtellungen willen müſſen wir uns freilich von den deutſchen Ge⸗ lehrten beſchränkte Köpfe ſchelten laſſen. Ja, weil wir in der Schrift keine menſchlichen Irrthümer zugeben, ſo ſollen wir ſogar eine Art neuer Doketen ſein; denn wie dieſe Chriſti wahre Menſchheit geleugnet hätten, ſo leug⸗ neten wir alles Menſchliche an der Schrift. Aber dieſer Vergleich paßt in keiner Weiſe. Der Sohn Gottes hat wohl Schwächen der menſchlichen Natur an ſich genommen und iſt ein Menſch geworden, nicht einmal wie Adam im Paradies, ſondern wie wir, nur daß er keine Sünde an ſich ge⸗ habt hat. So iſt es mit der Bibel. Die iſt inſofern menſchlich, daß ſie in menſchlicher Sprache geſchrieben iſt, das Alte Teſtament in der hebräiſchen, das Neue Teſtament in der griechiſchen Sprache. Und ein Matthäus hat in einem Styl geſchrieben, den Marcus nicht hat, Marcus wieder in einem Styl, den Lucas nicht hat, und ſo fort. Das iſt wahr. Aber wie Chriſtus, der menſchgewordene Sohn Gottes, keine Sünde hatte, ſo hat das menſch⸗ gewordene Wort Gottes keinen Irrthum. Zum fünften erhebt man ein großes Geſchrei darüber, daß das Alte und Neue Teſtament in einer Geſtalt und Verfaſſung auf uns gekommen ſei, die einer göttlichen Schrift nie hätte eigen werden können. Damit iſt auf die ver⸗ ſchiedenen Lesarten hingewieſen, und man meint, wenn die ganze Bibel Gottes Wort ſei, ſo hätte Gott auch darüber wachen müſſen, daß keine ver⸗ ſchiedenen Lesarten vorhanden wären. Aber erſtlich ſteht uns gar nicht zu, zu ſagen, was Gott gethan haben müßte. Und iſt denn dann ein Zweifel an der Göttlichkeit der heiligen Schrift berechtigt, wenn Menſchen etwas an dieſem Buche verderbt haben? Wenn jemand von uns ein Buch ſchreibt und der Setzer macht einen Druckfehler, folgt daraus, daß der Verfaſſer das Buch nicht Wort für Wort geſchrieben habe? Wir finden auch ſonſt in der Natur vieles, was der Teufel verderbt und der Menſch in ſeiner Schwachheit mißbraucht; folgt daraus, daß nicht die ganze Natur von Gott geſchaffen iſt? Es iſt bei der heiligen Schrift gerade das zu verwundern, daß trotz der vorhandenen Varianten nicht der geringſte Zweifel obwaltet, ob eine Lehre in ihr begründet iſt oder nicht. Und noch mehr: gerade das Vorhandenſein der Varianten iſt ein Beweis, daß wir neben anderen die urſprüngliche Lesart auch haben, nur daß uns nicht vom Heiligen Geiſt ge⸗