# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1886_S64 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 64 Verhandlungen der elften Verſammlung bei ſeinen Apoſteln die Lehre und das Leben. Nicht aus dem Leben der Apoſtel ſollen wir ſchöpfen, ſondern aus ihrer Lehre. Sie ſind nicht in allem ihrem Thun vom Heiligen Geiſt getrieben worden, ſondern wenn ſie redeten, ſo wurden ſie getrieben von dem Heiligen Geiſt. Dieſer Einwand vermiſcht alſo Dinge, die Chriſtus gefliſſentlich auseinanderhält. Und dann ſehe man zu, wie Paulus, der ſich zuſchreibt, daß der Heilige Geiſt durch ihn rede, und niemand erlaubt, etwas an ſeinen Worten zu ändern, dagegen von ſeinem Leben urtheilt, Röm. 7. Die Apoſtel waren eben auch arme Sünder; aber das macht ihre Lehre, ihr Wort, ihre Schriften, die der Hei⸗ lige Geiſt durch ſie verfaßte, nicht menſchlich, nicht unvollkommen. Ein vierter Einwand iſt, wenn die Schrift Wort für Wort dictirt worden ſei vom Heiligen Geiſt, ſo müßte alles denſelben Stempel in der Diction, der Art und Weiſe des Ausdrucks tragen; nun herrſche aber eine große Ver⸗ ſchiedenheit; Matthäus ſchreibe ganz anders als Paulus, und dieſer wieder ganz anders als Johannes u. ſ. w.; auch ſei die Art der Beweisführung den einzelnen Schreibern eigenthümlich; gewiſſe Ausdrücke des Einen fänden ſich bei dem Andern gar nicht. Darauf iſt zu antworten: Nicht iſt des⸗ halb, weil das Werkzeug menſchlich iſt, auch das menſchlich, was durch das Werkzeug geſchah. Wenn Gott einerlei Form in der Schrift gewollt hätte, ſo hätte er ja alles entweder durch Paulus oder durch Johannes oder durch einen anderen Apoſtel können ſchreiben laſſen. Aber das wollte Gott nicht. Er hob auch die Perſönlichkeit während des Schreibens nicht auf, ſo daß Paulus nicht Paulus geblieben wäre. Gerade weil Gott durch den ſo und durch dieſen anders ſchreiben wollte, darum ſchrieb er durch dieſe Männer. Wenn die Dogmatiker von dem verſchiedenen Styl der Schrift reden, ſo vergleichen ſie dies, wie oben ſchon erwähnt, mit einer Orgel. Darin ſind die Pfeifen auch ganz verſchieden conſtruirt. Die eine Pfeife iſt tief intonirt, die andere hoch, die eine hat einen ſcharfen, die andere einen dum⸗ pfen Ton. Aber es iſt immer Ein und derſelbe Wind, der durch alle weht und ſie je nach ihrer Beſchaffenheit zum Klang bringt. Das iſt ein köſt⸗ liches Gleichniß. Die Neueren treiben damit zwar ihren Spott, wir be⸗ neiden ſie aber um dieſes Vergnügen nicht. Denn das wiſſen wir auch, daß man ſich die Apoſtel nicht ſo vorzuſtellen hat, als ob ſie wie todte Orgel⸗ pfeifen dageſtanden hätten. Bei jedem Gleichniß darf man nur die Ver⸗ gleichungspunkte gelten laſſen, und nicht über dieſelben hinausgehen. Und das iſt bei dieſem Bilde der Vergleichungspunkt, daß der Eine himmliſche Wind, der Heilige Geiſt, alle heiligen Schreiber gleich regiert und doch ſich nach der Beſchaffenheit jedes einzelnen gerichtet hat. Und das iſt ſeiner durchaus nicht unwürdig. Wenn ein ganz Ungebildeter zu einem Gelehrten geht und ihn bittet, er möge doch für ihn einen Brief aufſetzen, da er nicht ſchreiben könne, und der Gelehrte iſt dazu gern bereit und bedient ſich dabei