# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1886_S62 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 62 Verhandlungen der elften Verſammlung wiſſenſchaft lehren. . . . Die Bibel will nirgendwo naturwiſſenſchaftliche Aufſchlüſſe geben. Sie iſt kein Lehrbuch der Kosmologie, Anthropologie, Pſychologie.“ („In wie weit iſt der Bibel Irrthumsloſigkeit zuzuſchrei⸗ ben?“ S. 7.) Aber das iſt eine Verdrehung des Standpunktes. Wir ſagen gar nicht, daß die Bibel ein Lehrbuch für Naturwiſſenſchaften ſei, ſondern wir ſagen: Sie iſt das Buch, worin uns Gott den Weg zur Selig⸗ keit zeigt, wie Joh. 20, 31. geſchrieben ſteht: „Dieſe aber ſind geſchrieben, daß ihr glaubet, JEſus ſei Chriſt, der Sohn Gottes; und daß ihr durch den Glauben das Leben habet in ſeinem Namen.“ Und 2 Tim. 3, 15. heißt es, daß die Schrift unterweiſen kann zur Seligkeit durch den Glau⸗ ben an JEſum Chriſtum. Aber, ſetzen wir hinzu, auch das, was in der Schrift nebenbei von anderen Dingen geſagt iſt, iſt von Gott ein⸗ gegeben, nach Inhalt und Ausdruck. Wir laſſen uns auch dadurch nicht irre machen, daß man einen Unter⸗ ſchied macht zwiſchen Bedeutendem und minder Wichtigem in der Schrift. Auch wir ſagen: Es iſt in der Schrift nicht alles von der gleichen Be⸗ deutung. Es kann ein Menſch etwas nicht wiſſen, was in der Schrift ſteht, und doch ſelig werden. Aber darauf kommt es hier gar nicht an, ob etwas in der Schrift weſentlich oder unweſentlich, zunächſt oder erſt in entfernter Beziehung zur Seligkeit ſteht. Hier handelt es ſich darum, ob die Schrift durchaus, im Kleinſten und Größeſten, zuverläſſig, das iſt, ganz vom Heiligen Geiſt eingegeben ſei, wie ſie ſelbſt behauptet. Es iſt ein kindi⸗ ſcher Einwurf, zu ſagen, wenn man annehme, daß auch das Naturwiſſen⸗ ſchaftliche in der Bibel inſpirirt ſei, verſtehe man nicht zu unterſcheiden zwiſchen Geiſtlichem und Weltlichem. Dieſen Einwurf macht Harnack, der da meint, wenn keine Irrthümer in naturwiſſenſchaftlichen und ge⸗ ſchichtlichen Dingen in der heiligen Schrift vorkämen, ſo würde das die Inſpiration ſogar verdächtigen. Denn die gänzliche Vermeidung von Irrthümern in dieſen Dingen „würde den heiligen Geiſt als einen Sol⸗ chen kundgeben, dem . . . Geiſtliches und Natürliches einerlei wäre“. (A. a. O. S. 28.) Und wenn dieſe Herren den Unterſchied machen zwiſchen Weſentlichem und Unweſentlichem in der Schrift, ſo bedenke man, wie viel von dem In⸗ halt der heiligen Schrift dann hinwegfiele, das nicht gewiſſe göttliche Wahr⸗ heit wäre. Wie Viele hat es gegeben, die ganz wenig aus der Schrift ge⸗ wußt haben, und ſie ſind doch ſelig geworden! So müßte denn auch alles das, was nicht abſolut zur Seligkeit nöthig iſt, zu dem Unweſentlichen, das nicht von Gott eingegeben ſei, gezählt werden. Und das iſt es, wohin Satan die Chriſtenheit jetzt bringen will. Er will der Chriſtenheit jetzt dieſen, jetzt jenen Beſtandtheil nehmen, bis endlich nichts von ihr übrig bleibt. Solche furchtbare Anklagen erregen freilich großen Tumult. Aber wir tröſten uns mit Luther, der irgendwo ſchreibt: „Höre auf zu klagen, höre auf zu rathen. Solcher Tumult iſt von Gott angefangen, wird auch von Gott ge⸗