# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1858_S255 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich - Zeitgeschichtliches. 255 mit Perlen und Diamanten besetzte Krone auf den Altar gelegt und vom Bischof von Newark mit Weihwasser besprengt wurde. Nach Absingung einer Hymne stieg derselbe die Stufen hinan und befestigte die Krone auf dem Haupte eines Marienbildes, eine Copie der Raphaelschen Madonna, welche im Vatican aufbewahrt wird! — Das nennen die armen, blinden Römischen Gottesdienst! Auch ein Zeichen der letzten Zeit. Zu welcher diabolischen Tiefe sich in unserer Zeit der „Abfall“ (2 Thess. 2, 3.) in ganzen Kreisen schon gestaltet hat, davon zeugt folgende Mittheilung nach dem Missouri Republican vom 20. Juli, welche aus dem Age of Freedom, einer Zeitschrift, die in der Berlin Hights Free-Love Institution bei Sandusky herausgegeben wird, entnommen ist. Der betreffende Aufsatz in dieser Zeitschrift ist dem Tod eines Gliedes dieses Socialisten⸗Vereins gewidmet, der sich selbst entleibt hat, und umfaßt einen von dem Selbstmörder hinterlassenen Brief und verschiedene Ansprachen, welche über seiner Leiche von „Brüdern“ der Gesellschaft gehalten worden sind. In dem Briefe finden sich folgende Stellen: „Ich wurde ein Free-Lover durch die Vermittlung von Nichol's Monthly, während ich mich in Iowa aufhielt. Darauf hörte ich durch den Social Revolutionist von Berlin. Ich kam nach Berlin und fand, daß es meine Heimath war, ich hatte dies erwartet.“ „Wenn mir es schlecht in der Welt ging und ich meine Blicke nach Berlin richtete, dachte ich: „In Berlin werde ich glücklich sein; dort werde ich wackere und liebevolle und freie Männer und Frauen finden, und ich werde glücklich sein.“ Und ich habe die Berliner Socialisten so wacker und frei gefunden, als ich erwartet hatte; aber ich habe entdeckt, daß keine irdischen, keine äußerlichen Verhältnisse mich glücklich machen können. Ich schloß mich von der Welt ab, um mich zu retten. Aber ich kann nicht gerettet werden, und jetzt endlich stürze ich mich in die Vergessenheit!“ „Und keiner von euch wird sagen, daß ich unrecht gethan habe. Ihr werdet sagen, es ist gut. Ja, im Gegentheil, es würde unrecht sein, wenn ich hier bleiben wollte, eine Last mir selbst und denen, die um mich sind. Ich bin von keiner Bedeutung. Laßt mich sterben, sterben, sterben!“ „Und hier füge ich meinen Protest bei gegen die Ehe und spreche meinen Fluch darüber aus. Und ich verfluche die Religion, und ich verfluche Gott, das Vater-Ungeheuer!“ So viel aus dem Briefe des Selbstmörders. Unter den Ansprachen heben wir die von T. E. Tabor hervor, eines bekannten Spiritualisten und Free-Lovers. Er bezieht sich auf den Fluch, welchen der Selbstmörder mit seinem letzten Athemzuge über die Religion und Gott ausgesprochen hat, stimmt ihm darin bei, und erklärt Gott für ein Ungeheuer von Ungerechtigkeit und Bosheit. Er sagt: „Mein Herzblut gerinnt bei dem Gedanken. Ihr mögt die ganze Heidenwelt durchsuchen, vom schwärzesten Halbmenschen von Aethiopien bis zum gebildetsten Kaukasier, und ihr könnt keinen so Abscheulichen, so Unmenschlichen und so Teufelischen finden. Ihr möchtet sagen, das sei keine wahre Darstellung Gottes. Er ist der Gott, für dessen Sache mehr Blut vergossen worden ist als für alle anderen Sachen zusammen — der Gott der Bibel — der Gott, den mein Bruder verflucht hat.“ „Er ist der Gott der Religion, welche das Leben meines Schulkameraden in der Nashville Penitentiary opferte, und welche die Ursache war, daß eine Mutter in der Queen City ihr Kind ermordete. Der Gott der Religion, welche die Unterdrückung und Beraubung des Armen einerseits und den Uebermuth und das Laster des Reichen andrerseits aufrecht erhält; welche das Weib unterdrückt, erniedrigt, tyrannisirt und sie zwingt, arme, kränkliche, elende Kinder in die Welt zu setzen, die ihr fluchen, während sie lebt, und die zuletzt ihr Volk und ihren Gott verfluchen und sterben. Endlich ist er der Gott, welcher einen schrecklichen See voll brennender Lava geschaffen hat, in dessen siedenden Wellen neun Zehntel der ganzen Menschheit ewig sich vor Schmerz krümmen sollen — und alles deswegen, weil Adam vor 6000 Jahren einen verbotenen Apfel gegessen hat.“