# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1886_S57 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1886. 57 da reden, ſondern es iſt eures Vaters Geiſt, der durch euch redet. Damit ſtimmt auch die Beſchreibung, wie ſolche heilige Schriften entſtanden ſind. Jer. 1, 9. heißt es: „Und der HErr reckte ſeine Hand aus, und rührete meinen Mund, und ſprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.“ Gott ſagt alſo hier nicht: Ich will meine Gedanken in deinen Sinn, meinen Willen in dein Herz legen, ſondern: Das Organ deines Leibes, deinen Mund, will ich ſelbſt in meinen Dienſt nehmen und dir die Worte geben, die du ausſprechen ſollſt. So auch Jer. 30, 2.: „So ſpricht der HErr, der Gott Iſrael: Schreibe dir alle Worte in ein Buch, die ich zu dir rede.“ So iſt an Johannes der Auftrag zu ſchreiben ergangen, und was er ſchrieb, das ſoll unantaſtbar ſein, da ſoll kein Wort zu viel oder zu wenig ſein, ſo daß über diejenigen, die ein Wort hinzu⸗ oder abthun, eine ſchreckliche Drohung ausgeſprochen wird Offenb. 22, 18. 19.: „Ich bezeuge aber alle, die da hören die Worte der Weiſſagung in dieſem Buch. So jemand dazu ſetzt, ſo wird Gott zuſetzen auf ihn die Plagen, die in dieſem Buch geſchrieben ſtehen. Und ſo jemand davon thut von den Worten (ἀπὸ τῶν λόγων) des Buchs dieſer Weiſſagung, ſo wird Gott abthun ſein Theil vom Buch des Lebens und von der heiligen Stadt und von dem, das in dieſem Buch geſchrieben ſtehet.“ Eine Hauptſtelle, aus der ſich das ergibt, daß auch der Ausdruck in der Schrift göttlichen Urſprungs ſei, iſt noch 2 Tim. 3, 16.: „Denn alle Schrift, von Gott eingegeben (πᾶσα γραφὴ θεόπνευστος), iſt nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Beſſerung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit.“ Hier wird von der Schrift, zunächſt von aller Schrift des Alten Teſtamentes, geſagt, daß ſie von Gott eingegeben iſt. Es wird nicht geſagt: alle Wahrheiten ſind von Gott eingegeben, ſondern alle Schrift. Hier iſt alſo die Rede von einer göttlich eingegebenen Schrift. Wenn man z. B. von einer Melodie ſagen würde, Gott ſelbſt habe ſie dem Tondichter ein⸗ gegeben, ſo würde Jeder darunter verſtehen, daß Gott die einzelnen Töne eingegebenen habe; denn eine Melodie beſteht aus Tönen. Sagſt du aber, die Töne hat er nicht eingegeben, aber die Melodie, ſo iſt das unſinnig geredet. Denn dann könnte Gott allenfalls nur etwa ein Motiv zur Melo⸗ die eingegeben haben, aber nicht die Melodie ſelbſt. So auch, wenn Gott einem Maler ein Bild eingegeben hätte, ſo müßten wir annehmen, daß Gott dem Maler auch die einzelnen Linien des Bildes eingegeben habe. Wer das leugnete, könnte nicht ſagen, daß das Bild eingegeben ſei, ſondern höchſtens, Gott habe eine Veranlaſſung dazu oder einen allgemeinen Entwurf gegeben. So auch hier bei der Schrift. Fragen wir: woraus beſteht eine Schrift? Sie entſteht doch dadurch, daß Laute durch Schriftzeichen dargeſtellt werden und ſo ein Wort an das andere gefügt wird. Paulus lehrt alſo dies: Als dieſe Laute des Alten Teſtamentes durch dieſe Schriftzeichen dar⸗ geſtellt wurden, Wort an Wort und Satz an Satz gereiht wurde, da geſchah das vom Heiligen Geiſt. Nur dann war wirklich die Schrift eingegeben.