# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1886_S46 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 46 Verhandlungen der elften Verſammlung *) O, es iſt etwas Hohes und Köſtliches um dies Zeugniß des Heiligen Geiſtes von der Göttlichkeit der heiligen Schrift! Durch dasſelbe gewinnt der Menſch nicht eine menſchliche, ſondern eine göttliche Gewißheit, eine felſenfeſte Ueberzeugung davon, daß er in der heiligen Schrift Gottes eige⸗ nes Wort hat und hört, eine Gewißheit, die auch durch menſchliche Argu⸗ mente nicht erſchüttert oder umgeſtoßen wird, die in allerlei Anfechtungen, ja, mitten im Tode ſich bewährt. Da ſoll ſich aber nun ein Jeder wohl prüfen, ob er auch eine ſolche Ueberzeugung habe, daß er nicht bloß menſch⸗ lich, ſondern göttlich gewiß ſei, daß die Schrift von Gott iſt, damit nicht erſt in der Anfechtung oder gar im bittern Stündlein es ihm klar werde, falls ſein Glaube an die Göttlichkeit der Schrift nicht ein göttlich Werk, alſo überhaupt kein wahrer Glaube, ſondern nur ein menſchliches Fürwahr⸗ halten geweſen wäre. Und da iſt es gar tröſtlich zu wiſſen, daß eine ſolche göttliche Ueberzeugung, wie ſie ein wahrer Chriſt haben muß, auch ein jeder Chriſt, der gelehrteſte wie der einfältigſte, haben kann; denn er hat ja die Schrift, welche gewiß und welche allein ſolche Gewißheit geben und erhalten kann. Darum gilt es, fleißig die Schrift leſen, um ſelber von ihrer Gött⸗ lichkeit überzeugt zu ſein und zu bleiben, und fleißig die Schrift treiben, um Andere von ihrer Göttlichkeit zu überzeugen und überzeugt zu halten. Wir ſind alſo göttlich gewiß, daß die heilige Schrift Gottes Wort iſt; wir ſind gewiß, daß wir in ihr das Zeugniß des Heiligen Geiſtes haben; wenn wir in der Bibel leſen, fühlen wir eine Stimme in uns, die uns ſagt: Das iſt recht, was die Schrift ſagt. Die Neueren geben dies göttliche Zeugniß wohl zu, aber es ſoll ſich nur auf die in der Schrift enthaltenen Heilslehren beziehen: leſe man aber andere Dinge in der Schrift, z. B. die Jahreszahlen, ſo bekomme man dieſen Eindruck nicht, das habe mit dem Zeugniß des Heiligen Geiſtes alſo nichts zu thun. Mit dieſem Zeugniß ſei alſo für die Göttlichkeit der ganzen heiligen Schrift nichts gewonnen. Das iſt aber falſch; denn eben die Schrift ſagt ja: „Alle Schrift iſt von Gott eingegeben“, und „Wir reden nicht mit Worten, welche menſchliche Weisheit lehren kann“ ꝛc. — Wenn wir leugnen, daß die ganze Schrift von Gott eingegeben iſt, dann müſſen wir die ganze Schrift verwerfen; denn ſie ſagt es von ſich, daß ſie ihrem ganzen Inhalte nach Gottes Wort iſt. Es iſt nicht wahr, daß dies Zeugniß ſich nur auf das Syſtem beziehe, nach welchem Gott uns ſelig machen will. Nein, es bezieht ſich auf die ganze Schrift. Das erfährt auch jeder Chriſt, wenn er in dieſem Wort lieſt. Es iſt wahr: es kann dieſes oder jenes in der Bibel einem Chriſten aufſtoßen, was er nicht löſen kann; aber wer dies Zeugniß im Herzen hat, der ſpricht dann nicht: „Nun kann die Schrift nicht Gottes Wort ſein“, ſondern er ſpricht: „Es mag immer ſein, daß ich dies hier nicht erfaſſen kann, aber das kann mich an der Göttlichkeit der heiligen Schrift nicht irre machen.“ *) Am Sonnabend Vormittag protokollirte von hier an P. Burmeſter.