# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1886_S39 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1886. 39 HErr, dein Wort, die edle Gabe, Dieſen Schatz erhalte mir, Denn ich zieh ihn aller Habe Und dem größten Reichthum für. Wenn dein Wort nicht mehr ſoll gelten, Worauf ſoll der Glaube ruhn? Mir iſt's nicht um tauſend Welten, Aber um dein Wort zu thun. Dazu bedenke man, daß ja die allererſten Chriſten das Alte Teſtament gehabt haben. Denn wenn Paulus zum Timotheus ſagt: „Weil du von Kind auf die heilige Schrift weißeſt“, und wenn Petrus ſchreibt: „Wir haben ein feſtes prophetiſches Wort“, und wenn Chriſtus ſelbſt den Juden zuruft: „Suchet in der Schrift!“, ſo iſt da zunächſt das Alte Teſtament gemeint. Aber freilich, die Neueren ſehen das Alte Teſtament an wie ein mit ſieben Siegeln verſchloſſenes Buch. Hatten aber die Chriſten das Alte Teſtament, ſo hatten ſie damit zugleich das Neue. Und dazu kommt, daß ihnen die neuteſtamentliche Lehre ſogleich mündlich gegeben wurde. Denn das behaupten wir gar nicht, daß ſie gleich alle Schriften der Apoſtel ge⸗ habt hätten. Damals gab es noch keine ſo ſchöne Poſtgelegenheit. Die Bibel wurde auch nicht gedruckt. Wer ſie haben wollte, mußte ſie ſich ab⸗ ſchreiben. Und die Gemeinden gaben ihre Schriften nicht von den Hän⸗ den, damit dieſe koſtbaren Documente nicht beſchmutzt, oder gar Aenderun⸗ gen darin vorgenommen würden. Volck argumentirt auch ſo: Die Schrift könne nicht der Grund des Glaubens ſein, weil es ja vor aller Schrift eine Kirche gegeben habe, ſchon im Alten Teſtament. Der erſte Schreiber im Alten Teſtament ſei ja erſt Moſes geweſen. Die ganze Zeit vorher habe man nur das mündliche Wort gehabt. So ſchreibt er nämlich: „Es taucht immer wieder die Mei⸗ nung auf, als wäre die heilige Schrift die Grundlage, auf der die Kirche ihrem dauernden Beſtande nach ruht. Allein dieſe Behauptung iſt an⸗ geſichts der hiſtoriſchen Thatſache unhaltbar, daß die chriſtliche Kirche ſchon vorhanden war, ehe auch nur eine einzige Schrift des Neuen Teſtaments vorlag, ebenſo wie es eine altteſtamentliche Gottesgemeinde gab, lange bevor ein altteſtamentlicher Kanon exiſtirte.“ (Die Bibel als Kanon. S. 13.) Aber hier iſt zu ſagen: Der Grund der Kirche hier in der Zeit iſt Gottes geoffenbartes Wort, in jenem Leben werden wir Gott ſchauen von Angeſicht zu Angeſicht; hier aber wandeln wir im Glauben. Und zum Glauben gehört ein Wort, und zwar ein göttliches Wort, darauf er fußen kann. Und ein ſolches göttliches Wort für den Glauben der Kinder Got⸗ tes iſt allezeit dageweſen. Gab es nun noch kein geſchriebenes Wort, ſo war doch vorhanden das im Paradies und durch die Patriarchen geredete Wort Gottes. Sobald nun aber Gott ſein Wort ſchreiben ließ, da galt es, daß der Glaube dies geſchriebene Wort Gottes annahm und daran ſich