# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1886_S38 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 38 Verhandlungen der elften Verſammlung gebeſt. Das ſollte dich vielmehr gleich ſtutzig machen und dich zu dem Seufzer treiben: Gott behüte mich, daß ich ſein Wort nach meiner Ver⸗ nunft verurtheile. Aber wie Viele machen es da vielmehr wie Eva im Paradies! Als der Teufel zu ihr ſagte: „Ihr werdet mit nichten des Todes ſterben“ ꝛc., da ſchaute ſie den Baum an, wie er ſo lieblich ſei, bis die böſe Luſt wie ein unauslöſchbares Feuer in ihrem Herzen entzündet war. Und dann nahm ſie und aß von der verbotenen Frucht. So machen's die Chriſten hier auch, wenn ſie ſich in eine falſche und nicht in Luthers Schule führen laſſen. Da heißt es: Das kann man der Bibel nicht ſo hoch an⸗ rechnen, daß ſie die Sonne gehen läßt; ſie redet da in Einfalt, wie man ſich damals die Sache vorgeſtellt hat. — So etwas unſeren Kindern vorzugau⸗ keln, ſollte keinem Schullehrer erlaubt ſein. Denn der Heilige Geiſt iſt doch wahrlich klüger als Kopernikus. Man kann ja freilich nicht verlangen, daß Jeder die betreffende Bibelſtelle geradeſo auslege, wie wir ſie auslegen. Aber kann ſich jemand nicht überzeugen, daß die Stelle ſo auszulegen iſt, ſo ſollte er vor ſeinen Schülern den Mund halten, die Sache für ſich behalten, und nicht die Kinder durch ſeine Anſichten vergiften. Es iſt aber auch bei der modernen Inſpirationslehre das noch in's Auge zu faſſen: Sagen wir oder Andere, daß mit der Leugnung der Gött⸗ lichkeit der heiligen Schrift der Grund des chriſtlichen Glaubens aufgegeben wird, ſo antworten die neueren Theologen: Wenn das wahr wäre, ſo hätten die allererſten Chriſten gar keinen Grund des Glaubens gehabt. Denn wie lange habe es gedauert, bis der Kanon feſtgeſtellt war und bis die ganze Chriſtenheit ihn in Beſitz hatte! wie lange habe man darum ge⸗ ſtritten, was zum Kanon gehöre oder nicht! erſt allmählich habe man ſich geeinigt, welche Schriften für kanoniſch zu halten ſeien. Der Erſte, von welchem überhaupt uns bekannt ſei, daß er in dem Beſitz eines neu⸗ teſtamentlichen Kanons geweſen ſei, nämlich Marcion, ſei nicht einmal ein Chriſt, ſondern ein Ketzer geweſen. Aber welch eine Schande ſind ſolche Behauptungen! Bei Marcion, der noch in den Tagen des Apoſtels Jo⸗ hannes geboren iſt, finden wir alſo ſchon einen Kanon. Die Chriſten, welche ihn wegen ſeiner falſchen Lehre vornehmen, machen ihm den Vor⸗ wurf, daß er den Kanon verſtümmele. Alſo muß er doch ſchon vollſtändig vorhanden geweſen ſein. Ja, man wirft dem Marcion ſogar vor, daß er die Reihenfolge der neuteſtamentlichen Bücher verändert habe. Alſo ſo weit war man damals ſchon, daß man eine ganz beſtimmte Reihenfolge der bibliſchen Bücher des Neuen Teſtamentes hatte. Alſo ſchon im Lichte der menſchlichen Weltgeſchichte hält dies nicht Stich, daß die Chriſten Jahr⸗ hunderte lang keine Bibel gehabt hätten. Zwar hat es der Pabſt verſucht, die Bibel den Chriſten zu rauben, aber wie iſt's ihm gelungen? Bis auf den heutigen Tag iſt die heilige Schrift in der Chriſtenheit der Grund des Glau⸗ bens geweſen. In Millionen von Exemplaren iſt ſie in der ganzen Welt verbreitet und wird bleiben bis an's Ende der Tage. Und wir bitten Gott: