# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1886_S37 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1886. 37 jener beiden Factoren, des göttlichen und des menſchlichen. Sonach iſt ſie göttlich und menſchlich. . . Iſt nun aber die Bibel ein von Menſchen ver⸗ faßtes Gotteswerk (!), ſo ergibt ſich daraus ihre relative Irrthumsfähig⸗ keit.“ (In wie weit iſt der Bibel Irrthumsloſigkeit zuzuſchreiben? S. 14.) Hiermit kann nur dies gemeint ſein: Der Heilige Geiſt waltete in den heiligen Schreibern, wie in der Geſchichte der Kirche überhaupt. Gott waltet ja in der Kirche, aber das ſchließt nicht aus, daß die Glieder der Kirche nicht viel Verkehrtes und Sünde thun. So ſei ja die Bibel vom Heiligen Geiſt, aber das ſchließe nicht den Irrthum der heiligen Schreiber aus. Damit iſt aber der Begriff der Inſpiration vollkommen aufgegeben. Wenn nun die neueren Theologen immer von Irrthümern in der Schrift ſprechen, ſo möchte Mancher fragen: Was ſind denn das für Irr⸗ thümer? Darauf iſt zu antworten: Sie verſtehen darunter u. a., daß in der Schrift nicht immer die richtige Jahreszahl angegeben ſei. Wenn ſie nämlich in irgend einem menſchlichen Buch, z. B. bei Herodot oder ſonſt einem Geſchichtsſchreiber, eine andere Jahrzahl angegeben ſehen, ſo ſagen ſie nicht etwa: Was in der Bibel ſteht, das iſt vom Heiligen Geiſt und daher immer die Wahrheit, ſondern dann heißt es bei ihnen: Das iſt ja nicht richtig, denn Herodot gibt ein anderes Jahr an. So ziehen ſie die alten blinden Heiden der heiligen Schrift vor. Oder wenn in der Bibel ſteht: „Sonne, ſtehe ſtill!“, ſo ſprechen ſie: Das iſt falſch, denn Koper⸗ nikus hat behauptet, daß die Sonne ſteht. So ſoll es eine falſche Nachricht ſein, daß zur Zeit der Geburt Chriſti Cyrenius Landpfleger in Syrien war, weil das mit anderen Forſchungen nicht ſtimmt. Aber gerade neuerdings iſt es wieder nachgewieſen worden, daß allerdings gerade um dieſe Zeit Cyrenius Proconſul in Syrien war. Das ſind ſolche Dinge, die man für Irrthümer hält, wiewohl ſich die Herren ſehr in Acht nehmen, die Irrthümer immer anzuführen. Sie for⸗ dern vielmehr, man ſolle vorerſt zugeben, daß ſich möglicherweiſe Irrthümer in der Schrift finden. Das Suchen der Irrthümer kommt nachher. Und was iſt dann das Reſultat? — Daß die Schrift auch von Lehrirrthümern wimmelt. Auf die Frage, was davon zu halten ſei, wenn viele Lehrer in den Schulen den Kindern das kopernikaniſche Syſtem beizubringen ſuchen, wurde geantwortet: Daß ſich ſolche Lehrer nicht getrauen, beim Alten, nämlich bei dem Wort der Schrift, zu bleiben, rührt her von der Furcht, man möchte nicht für einen auf der Höhe der Zeit ſtehenden Paſtor oder Lehrer angeſehen werden. Dazu kommt, daß von Hunderttauſend kaum Einer auch nur einen Verſuch gemacht hat, ſelbſt nachzurechnen; man folgt eben blindlings den Männern der ſogenannten Wiſſenſchaft. Wer wird hierdurch alſo vorgezogen, Gott, oder nicht vielmehr die Männer der Wiſſen⸗ ſchaft? Welch ein Autoritätsglaube! Hüte dich daher davor, wenn deine Vernunft beim Leſen der heiligen Schrift Nein ſagt, daß du darauf etwas