# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1886_S36 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 36 Verhandlungen der elften Verſammlung Lexikon ſagt man nicht: das iſt ein Wortebuch, ſondern Wörterbuch. Wörter ſind demnach articulirte Laute, ohne Rückſicht auf den Zuſammen⸗ hang, in welchem das Wort etwa ſteht. Worte dagegen ſind articulirte Laute in ihrem Verſtand, den ſie im Satz haben. Auf die heilige Schrift angewandt, wäre alſo der Sinn dieſer: Gott hat zwar das den heiligen Schreibern eingegeben, daß ſie Worte nahmen, die ſeinen Gedanken ent⸗ ſprachen, aber das einzelne beſtimmte Wort für ſich wählten die heiligen Schreiber. Wo z. B. in der Bibel HErr ſteht, da, ſagt man, hätten die Apoſtel ebenſogut auch Gott ſetzen können. Wir aber ſagen: Nein, gerade dies Wort ſollte und mußte es ſein. So wollte es Gott. Ob alſo in der Schrift dies Wort oder ein anderes ähnlich lautendes, ob hier ein Singu⸗ lar oder ein Plural ſtehen ſoll u. ſ. w., das, ſagen ſie, war den Schreibern der Bibel überlaſſen. Aber das iſt nichts als Trug, damit iſt nichts ge⸗ wonnen. Denn man bedenke wohl: Alle Worte ſind nach jener Unter⸗ ſcheidung zugleich auch Wörter, aber nicht alle Wörter ſind zugleich auch Worte. Es hat der Unterſchied zwiſchen Wort⸗ und Wörter⸗Inſpiration für die heilige Schrift ſchlechterdings gar keinen Sinn. Denn es gibt in der heiligen Schrift gar keine Wörter in dem Sinn, daß ſie außerhalb des Zuſammenhanges gedacht werden. Was für ein Unſinn iſt es, zu ſagen: Der Heilige Geiſt hat zwar den Ausdruck eingegeben, aber nicht die Wörter? Daher merke man ſich wohl: Es iſt das Charakteriſtiſche der modernen Inſpirationslehre, daß ſie keinen Sinn hat; man ſoll ja nicht viel Logik in den modernen Theorien ſuchen, obwohl dieſe Gelehrten wunder meinen, wie logiſch und vernünftig ſie zu Werke gehen. Der liebe Philippi wollte leider! früher die Schmach nicht tragen, nicht auch auf der Höhe der Zeit zu ſtehen. Und das hat ihm viel geſchadet. Es iſt nun zwar wahr, daß man drüben in der allerneueſten Zeit die Theilung von Inhalt und Ausdruck in der Schrift aufgegeben hat. Man hat zugeſtanden, der Ausdruck der Schrift laſſe ſich nicht ſcheiden vom In⸗ halt. Harnack weiſt a. a. O. S. 29 die Trennung von Inhalt und Form bei der Inſpiration zurück. Er ſchreibt: „Endlich verbietet der durch⸗ gängige Inſpirations⸗Charakter der heiligen Schrift jene mechaniſche, un⸗ natürliche Theilung von Inhalt und Form, Geiſt und Sprache. . . Der heilige Geiſt, welcher die von ihm inſpirirten Verfaſſer zum Heilszeugniß ausrüſtet und beſtimmt, läßt ſie, je nach dem Maße ihrer Individualität, mit der Sache auch den Ausdruck finden.“ Aber dieſes Zugeſtändniß macht bei Harnack die Sache nicht beſſer. Er glaubt auch keine Inſpiration der „Sache“, das Wort „Inſpiration“ in ſeiner eigentlichen Bedeutung ge⸗ nommen. Die Schrift iſt ihm nur auf der „Baſis der Inſpiration“ ge⸗ ſchrieben, und die heiligen Schriftſteller hatten ſo viel „freie Bewegung“, daß ſie auch irren, ſich „als Kinder ihrer Zeit“ erweiſen konnten (S. 27). Ja, Volck läßt die heilige Schrift ebenſo entſtanden ſein, wie die Geſchichte der Kirche geworden iſt: „Auch die Entſtehung der Bibel (iſt) ein Werk