# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1886_S35 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1886. 35 bus viris, vel etiam inter nos ipsos. Aber darauf kömmt es an, daß die unerſchütterlich gewiſſe und von beiden Theorien als eine weſentlich gleiche vorausgeſetzte Thatſache, der ſie zur Erklärung dienen wollen, bei Beſtand bleibe, die Thatſache nämlich, daß die kanoniſche Schrift von Anfang bis zu Ende vom Geiſte Gottes eingegebene untrügliche Offenbarung Gottes an die Menſchheit oder das wahrhaftige Wort Gottes ſelber ſei und bleibe. Die natürliche Welt iſt und bleibt Schöpfung Gottes, ganz abgeſehen von der Richtigkeit des ptolemäiſchen oder kopernikaniſchen Weltſyſtems, und die Bibel als Complex der übernatürlichen Offenbarungswelt bleibt ein Wunder Gottes, ganz abgeſehen von der Richtigkeit der altdogmatiſchen oder irgend einer neuen Inſpirationstheorie.“ (Kirchl. Glaubenslehre. I, S. 330 f.) Wir hingegen ſagen: Wo zwei Theorien über die heilige Schrift auf⸗ geſtellt werden, die ſich widerſprechen, da können nicht beide wahr ſein. Entweder ſind ſie beide falſch, oder doch gewiß die eine. Wäre unſere alt⸗ lutheriſche (wenn ich ſo ſagen darf) Theorie von der Eingebung der heiligen Schrift falſch, ſo würden wir ſie verwerfen. Doch iſt es erfreulich, wie Philippi, der früher die Möglichkeit eines Irrthums in der heiligen Schrift zugab, ſpäter in der dritten Auflage ſeiner Dogmatik ganz davon abge⸗ gangen iſt. Früher hatte er nämlich geſchrieben: „Dabei hat man ſich nicht von vorneherein gegen die Anerkennung der Möglichkeit zu ſträuben, daß manche untergeordnete Differenzen wirklich vorhanden ſeien, und darum ungelöſt zurückbleiben. Denn es gibt ja hier allerdings ein Gebiet der unbedeutenden Zufälligkeit, wie die Aehnlichkeit eines Portraits nicht von der genau entſprechenden Länge der Nägel und Haare bedingt iſt. Wie weit die Inſpiration auch hier die menſchliche Schwachheit völlig über⸗ wunden habe, ſcheint uns nur auf geſchichtlichem Wege, nicht dogmatiſch beſtimmt werden zu können. Wir möchten deshalb wenigſtens nicht a priori mit Calov ſagen: Nullos error, vel in leviculis, nullus memoriae lapsus, . . . ullum locum habere potest in universa Scriptura sacra (Kein Irr⸗ thum, ſelbſt nicht in geringfügigen Dingen, kein Gedächtnißfehler, . . . kann in der ganzen heiligen Schrift ſtatthaben). Aehnlich äußerte ſchon Julius Africanus in Beziehung auf hiſtoriſch⸗chronologiſche Schwierigkeiten im Neuen Teſtamente: τὸ μέντοι εὐαγγέλιον πάντως ἀληθεύει (Das Evan⸗ gelium redet ja durchweg die Wahrheit).“ (Kirchl. Glaubenslehre. Stutt⸗ gart 1854. I, 208 f.) In der letzten Ausgabe ſeiner Dogmatik hingegen ſchrieb Philippi: „Ich geſtehe jetzt ſelber zu, daß nach meiner eigenen Inſpirationstheorie auch die Möglichkeit von Irrthümern der Schrift in Nebendingen und unbedeutenden Zufälligkeiten a priori zu negiren iſt.“ (Kirchl. Glaubens⸗ lehre. Zuſatz zur dritten Auflage, I, S. 279.) Frägt man ſich nun: Was verſtand Philippi unter Wort⸗ und Wörter⸗ Inſpiration? ſo ſucht man ſich das wohl ſo zurechtzulegen. Von einem