# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1886_S34 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 34 Verhandlungen der elften Verſammlung Aber leider tritt Philippi ſelbſt nun thatſächlich in Conflict mit dieſem Ausſpruch, wenn er ſchreibt: „Indem wir aber die Wortinſpiration der heiligen Schrift vertheidigen, wollen wir damit keiner Wörterinſpira⸗ tion das Wort reden. Nicht die einzelnen Buchſtaben, Sylben und Wörter, auch losgetrennt vom Inhalte und Zuſammenhange, ſind als unmittelbar eingegeben oder als von außen her dictirt zu betrachten; denn die Schrift enthält nicht Wörter Gottes, und die göttliche Vorſehung hätte dann nicht zulaſſen dürfen, daß im Laufe der Zeit dieſe geheiligten Wörter in ver⸗ ſchiedenen Lesarten auf die Nachwelt kamen.“ (Kirchl. Glaubenslehre. I, S. 251 ff.) Hiernach wären alſo doch ſchließlich die heiligen Schreiber nicht die Feder, die da ſchrieb, nachdem ihnen der Geiſt gab auszuſprechen. Dieſe Vorſtellung von dem Wort der heiligen Schrift iſt auch auf die theologiſche Praxis des hochbegabten Philippi nicht ohne ſchädlichen Ein⸗ fluß geblieben. So macht er in ſeinem Commentar zum Römerbrief zu Röm. 9, 22. die Bemerkung: „Was aber die Hinweiſung darauf betrifft, daß Paulus κατηρτισμένα und nicht, dem ἃ προητοίμασεν V. 23. entſpre⸗ chend, ἃ προκατήρτισεν geſchrieben habe, ſo könnte der prädeſtinatianiſche Exeget dies immer noch als eine für ſich allein nichts beweiſende Zufällig⸗ keit erklären.“ (Comment. über den Brief an die Römer. 3. Aufl. S. 453.) Dagegen ſagen wir: Nichts darf man in der heiligen Schrift für eine Zu⸗ fälligkeit erklären; niemandem räumen wir dazu das Recht ein. Mit Fleiß ſteht da nicht: „die er zubereitet hat“. Und jene Behandlung der Stelle weiſt unſere ganze lutheriſche Kirche mit großem Nachdruck zurück, wenn es in der Concordienformel alſo heißt: „So unterſcheidet der Apoſtel mit ſonderem Fleiß das Werk Gottes, der allein Gefäße der Ehren macht, und das Werk des Teufels und des Menſchen, der ſich ſelbſt aus Eingebung des Teufels, und nicht Gottes, zum Gefäß der Unehren gemacht hat. Denn alſo ſtehet geſchrieben Röm. 9.: Gott hat mit großer Geduld getragen die Gefäße des Zorns, die da zugerichtet ſind zur Verdammniß, auf daß er kund thäte den Reichthum ſeiner Herrlichkeit an den Gefäßen der Barmherzigkeit, die er bereitet hat zur Seligkeit. Da denn der Apoſtel deutlich ſaget, Gott habe die Gefäße des Zorns mit großer Geduld getragen, und ſaget nicht, er habe ſie zu Gefäßen des Zorns gemacht; denn da es ſein Wille geweſen wäre, hätte er keiner großen Geduld darzu bedörfet. Daß ſie aber bereitet ſein zur Verdammniß, daran ſein der Teufel und die Menſchen ſelbſt, nicht Gott, ſchuldig.“ (Sol. Decl. XI. Müller, S. 721.) Bemerkenswerth iſt, daß Philippi mit allen dieſen Aufſtellungen nicht etwa bewußtermaßen eine Lehre aufſtellt, die allein richtig ſei und gelten müſſe, ſondern er ſelbſt bezeichnet ſeine Meinung als eine wiſſenſchaftliche Speculation oder Theorie. So ſchreibt er nämlich: „Wir wiederholen: Ob die altdogmatiſche Inſpirationstheorie oder die unſrige Recht behält, darauf kömmt es weſentlich nicht an, denn hier handelt es ſich wirklich nur um Theorie. De hoc articulo agere poterimus cum doctis et prudenti-