# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1886_S30 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 30 Verhandlungen der elften Verſammlung Apoſtel die Wahrheit ſagen? 2. Wollten ſie die Wahrheit ſagen? 3. Muß⸗ ten ſie auch die Wahrheit ſagen? Kahnis ſchreibt nun weiter: „Wenn Salomo's Sprüche, wie man doch ſelbſt ſtrengererſeits zugibt, nicht auf Offenbarung ruhen, ſondern auf Lebensweisheit: welch ein Widerſpruch liegt in der Annahme, daß der hei⸗ lige Geiſt menſchliche Lebensweisheit dictirt habe! Werden dann nicht dieſe ſehr cum grano salis zu nehmenden Regeln zu Geſetzen des heiligen Geiſtes? Und dieſe Inſpirationslehre auf ein Buch wie Koheleth über⸗ tragen: welche Monſtroſitäten entſtehen uns! ... Unter dieſen propheti⸗ ſchen und apoſtoliſchen Schriften ſind aber ſowohl vom Geſichtspunkt des Urſprungs als des Inhaltes aus Unterſchiede. Wir können das Deutero⸗ nomium nicht den vier erſten Büchern gleichſtellen. Unter den Propheten ſtehen Obadja und Jona unter Jeſaia, Jeremia, Ezechiel. Im Neuen Teſta⸗ mente treten die Paſtoralbriefe (S. 531) und der Brief an Philemon in eine zweite Linie.“ (Welcher Engel aus dem Abgrund hat ſie das gelehrt, Stufen unter den heiligen Schreibern zu machen?) „Das Wort der Offen⸗ barung, welches innerhalb des Reiches alten und neuen Bundes ergeht, iſt nur im Zuſammenhange der Geſchichte desſelben zu verſtehen. Und ſo treten denn die Geſchichtsbücher alten und neuen Bundes in ihr kanoniſches Recht, aber ein Recht zweiten Grades. Wie der Inhalt derſelben das Zu⸗ ſammenwirken des Göttlichen und Menſchlichen im Reiche Gottes iſt, ſo ſind auch die heiligen Geſchichtsſchreiber nicht nothwendig Männer der Offenbarung, ſondern Männer, die im Geiſte des Reiches Gottes ſtehen. Dahin gehören im Alten Teſtamente die prophetiſchen Geſchichtsbücher in erſter, die hagiographiſchen⸗ Ruth, Eſra, Nehemia in zweiter, die Bücher Eſther und Chronik in dritter Linie. (S. 285 ff.) Im Neuen Teſtamente fallen in dieſe zweite Reihe in erſter Linie die drei erſten Evangelien (S. 406 ff.), in zweiter die Apoſtelgeſchichte (S. 518). Eine dritte Claſſe bilden die alt⸗ und neuteſtamentlichen Hagiographen, deren Inhalt weder Offenbarung noch Geſchichte des Reiches Gottes iſt, ſondern das Leben im Reiche Gottes, wie es ſich im Einzelnen darſtellt. Dahin gehören im Alten Teſtamente in erſter Linie die Pſalmen (S. 294 ff.), in zweiter Linie die Sprüche Salomo's (S. 304), Hiob (S. 305) und Klage⸗ lieder Jeremia's, in dritter das Hohelied (S. 303), Koheleth (S. 309) und Daniel (S. 369 ff.); im Neuen Teſtamente in erſter Linie der Hebräerbrief und der 2. und 3. Brief Johannis, welche bei aller Wahrſcheinlichkeit doch nicht ſicher johanneiſchen Urſprungs und überdies mehr perſönlichen In⸗ halts ſind (S. 546), in zweiter die übrigen katholiſchen Briefe und die Apokalypſe (S. 537 ff.). Wenn bei der erſten Claſſe die Perſönlich⸗ keit von weſentlicher Bedeutung iſt, ſo tritt ſie dagegen in der zweiten Claſſe zurück, da hier alles auf die objective Wahrheit und den Geiſt der Darſtellung ankömmt. Es liegt aber in der Natur der dritten Claſſe, daß das Subject in Bedeutung tritt. Es iſt nicht gleichgültig, ob ein Pſalm