# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1886_S28 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 28 Verhandlungen der elften Verſammlung auch uns den Rückzug nicht; vielleicht dann, wenn wir eine Commiſſion hinüber ſchicken und demüthigſt um Erlaubniß bitten.) Grau: „Die heilige Schrift iſt uns nicht mehr ein großer, vom Himmel herab geſandter Geſetzescoder mit ſeinen einzelnen Paragraphen, Beweisſtellen genannt. Solche Auffaſſung müſſen wir um des Glaubens willen als doketiſch und um der Wiſſenſchaft willen als geſchichtswidrig zurückweiſen.“ — Bei der Verſuchung Chriſti wurde es dem Teufel angſt und bang, als der HErr bloß Eine Beweisſtelle der heiligen Schrift citirte; nach der neueren Theologie war das unnöthig; Satan hätte ja nur zu ſagen brauchen: Eine einzelne Beweisſtelle beweiſt mir nichts. Führe deinen Beweis aus dem Schriftganzen! Grau: „Die Schrift iſt uns eine durch echt menſchliche und geſchicht⸗ liche Entwickelung gewordene Schriftenſammlung, welche Art dem in die⸗ ſer Entwickelung waltenden heiligen Geiſte, als dem Geiſte Jeſu Chriſti, des Menſchen⸗ und Gottesſohnes, nicht widerſpricht, ſondern allein ent⸗ ſpricht. Die Grenzen des Göttlichen und Menſchlichen in der Schrift kön⸗ nen überhaupt nicht mechaniſch und quantitativ beſtimmt werden, ſo wenig, wie in der Perſon Jeſu.“ (Entwickelungsgeſchichte des Neuteſtamentlichen Schriftthums. Gütersloh 1871. I, 11. 12. 18 ff.) Nun leſe man die Geſchichte (Joh. 7, 44—53.) von den ausgeſandten Knechten der Hohenprieſter, die Chriſtum arretiren ſollten. Als ſie zu JEſu kommen, predigt er. Sie ſtellen ſich hin und hören zu, denken, wenn er ausgepredigt hat, ſo können wir ihn immer noch fortführen. Aber ſiehe da, ſie werden ſo ergriffen, daß ſie ohne Chriſtum ſich ruhig weg⸗ ſchleichen. Die Hohenprieſter fahren ſie an: Warum habt ihr denn den Chriſtus nicht hergebracht? Sie aber antworten: „Es hat nie kein Menſch alſo geredet, wie dieſer Menſch.“ Das bringt die Hohenprieſter in Harniſch. Zornig rufen ſie ihnen zu: „Seid ihr auch verführet? Glau⸗ bet auch irgend ein Oberſter oder Phariſäer an ihn? Sondern das Volk, das nichts vom Geſetz weiß, iſt verflucht.“ Dieſe Schriftgelehrten waren echte moderne Theologen ihrer Zeit. Kahnis: „Die altdogmatiſche Inſpiration ruht auf dem Grund⸗ gedanken, daß die Schrift Gottes Wort iſt, weil Gott der heilige Geiſt ihr eigentlicher Verfaſſer ſei. Dies aber iſt er, ſofern er einmal den heiligen Schriftſtellern den Impuls zum Schreiben gab, dann aber ihnen ſowohl Inhalt als Worte dictirte.... Die Unhaltbarkeit der altorthodoxen In⸗ ſpirationslehre wird Jedem in die Augen ſpringen, der ſich nur die Mühe gibt, ſich ein anſchauliches Bild von derſelben im Einzelnen zu machen. Soll man ſich denken, daß der Apoſtel Paulus, als er jenen zarten, ur⸗ banen, von einem leiſen Humor berührten Brief an Philemon ſchrieb, nur aufzeichnete, was der heilige Geiſt ihm dictirte?“ Da ſieht man recht, wie wahr Gottes Wort redet: „Der natürliche Menſch vernimmt nichts