# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1886_S27 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1886. 27 empfangenen Eindruck. Während die Theologen dazu da ſind, das Chri⸗ ſtenvolk über die Göttlichkeit der heiligen Schrift gewiß zu machen, ſcheinen ſie es für ihren Beruf zu halten, dasſelbe ungewiß zu machen. Und wenn v. Hofmann hier von einer Sammlung von Lehrbeweis⸗ ſtellen ſo verächtlich redet, ſo ſieht man, daß den neueren Theologen die bloßen einzelnen Stellen der heiligen Schrift noch gar nichts gelten. Nein, ſagen ſie, will man das Göttliche der Schrift finden, ſo muß man erſt in das Ganze der Schrift dringen, und darunter verſtehen ſie nicht etwa, wie die Alten, die Analogie des Glaubens, die ſich aus den klaren Schrift⸗ ſtellen ergibt, ſondern ihr vor der Schrift ſchon zurechtgemachtes Syſtem. Grau fährt nun ſelber alſo fort: „Nicht in einer menſchlichen Scheingeſtalt, wie die Doketen lehrten, hat ſich die Gottheit auf Erden offenbart.“ Ganz wahr! Aber welches iſt die menſchliche Schein⸗ geſtalt, welche die alte Inſpirationslehre übrig läßt? Oder gehört etwa zur wahren menſchlichen Geſtalt Irrthum und Sünde?! — Die Warnung vor Doketismus iſt hier eine Warnung vor einem Popanz. Grau ſchreibt weiter: „So iſt auch die menſchliche Art, die ge⸗ ſchichtliche Entwickelung der heiligen Schriften nicht bloßer Schein, hervor⸗ gerufen durch eine äußere Accommodation des heiligen Geiſtes an die natür⸗ liche Art der menſchlichen Verfaſſer.“ Wir ſagen: Ja, es iſt wahr: wenn der Heilige Geiſt durch Paulus ſchreibt, ſo redet er anders, als wenn er durch Petrus ſchreibt. Es iſt ein ganz anderer Styl, wenn Jeſaias, dieſer vornehme, feingebildete Mann, Gottes Schreiber iſt, als wenn Amos ſchreibt, der ein Kuhhirte war. Aber gerade darin beſteht das unendliche Erbarmen Gottes, daß er durch allerlei Inſtrumente ſein heiliges Wort aufgezeichnet hat. Bald erklingt da nach jenem ſchönen Bilde von einer Orgel eine liebliche Flöte, bald wieder der ſtarke Ton einer Poſaune, bald ſchlägt er auch mit einer Pauke drein. Wollen wir Gott dafür tadeln? Und das iſt doch nicht bloß ein Schein, wenn die Orgelpfeifen verſchieden tönen, aber getrieben durch Einen Wind? Die heilige Schrift iſt und bleibt fürwahr das majeſtätiſchte, erhabenſte Buch. Denn ſo erhaben, wie z. B. Johannes ſein Evangelium beginnt, hat noch kein Sterblicher geſchrieben. Selbſt Heiden haben das an der Bibel anerkannt. Sie haben geſagt: Wolle man das erhabenſte Muſter rhetoriſcher Rede haben, ſo finde man es bei den Juden, nämlich in 1 Moſe 1. — Grau ſchreibt ferner: „Hier gilt es, zu erkennen: Nicht trotz der Autorſchaft des heiligen Geiſtes iſt die Schrift wahrhaft menſchlich und geſchichtlich entſtanden und geworden, ſondern gerade durch jenen Ur⸗ ſprung. Der Geiſt Gottes iſt als der in der Welt wirkende ein Geiſt der Geſchichte und der Entwickelung; und er iſt als der Geiſt Chriſti ein Geiſt der Selbſtentäußerung und Demuth. (!)... Es iſt jetzt kein Rückzug zu Quenſtedt und Calov mehr möglich...“ (Die Herren erlauben alſo [Im Exemplar handſchriftlich unterſtrichen: „die Alten, die Analogie des Glaubens, die ſich aus den klaren Schriftſtellen ergibt, ſondern ihr vor der Schrift ſchon zurechtgemachtes Syſtem.“]