# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1886_S26 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 26 Verhandlungen der elften Verſammlung der göttlichen Erſcheinung und Herrlichkeit ſich entäußern mußte. So iſt nun auch die heilige Schrift, um umfaſſende und untrügliche Quelle der Wahrheit für die Kirche und ihre geſammte Entwickelung zu ſein, nicht auf die pur göttliche Weiſe entſtanden, daß der heilige Geiſt, als der alleinige Autor, den menſchlichen Verfaſſern als bloßen Schreibern oder Inſtrumen⸗ ten ſo Inhalt wie Worte dictirt habe. Auf Grund deſſen wurden eben die hohen und göttlichen Eigenſchaften, als Vollkommenheit und Genugſam⸗ keit, Klarheit u. ſ. w., der heiligen Schrift zugeſchrieben. Dies iſt ja die Inſpirationslehre des 17. Jahrhunderts.“ Man bemerke hier die Liſt, daß die neueren Theologen davon als von einer allgemein anerkannten Thatſache reden, daß die Inſpirationslehre unſerer Dogmatiker erſt im 17. Jahrhundert aufgekommen, Luther dagegen eine viel freiere Anſicht gehabt habe. Sie vermiſchen nämlich, was Luther von dem Unterſchied zwiſchen den kanoniſchen Büchern des Neuen Teſta⸗ mentes erſten und denen zweiten Ranges (den ſogenannten deuterokano⸗ niſchen Büchern) ſagt. Da führen ſie z. B. an, was Luther über den Ja⸗ cobusbrief urtheilt, daß er nämlich nicht glaube, daß der Brief vom Apoſtel Jacobus geſchrieben ſei. Aber dieſe Frage gehört gar nicht hierher. Denn eine ganz andere Frage iſt, ob ein Buch von einem Apoſtel geſchrieben iſt, eine andere, ob das, was ein Apoſtel geſchrieben hat, Irrthum enthalte. Luther iſt ſtets dabei geblieben: jeder Buchſtabe der prophetiſchen und apo⸗ ſtoliſchen Schriften iſt Gottes ſelbſteigenes Wort. Man merke ſich aus Grau's Citat auch dies, daß die neueren Theologen nicht einmal mehr die Vollkommenheit, Genugſamkeit und Klarheit der hei⸗ ligen Schrift zugeben. Grau fährt nun fort: „Wir können dagegen nur mit dem größten Schriftforſcher unſerer Zeit ſagen“ (es iſt dies nämlich v. Hofmann, der aber der größte Schriftverderber iſt): „ ‚Weder den aus der Beſchaffenheit des Textes, noch den aus der Beſchaffenheit der Sprache erwachſenden Fra⸗ gen, nicht den ſchriftſtelleriſchen Eigenthümlichkeiten der Verfaſſer, noch den nächſten Zwecken und den davon ſtammenden Beſonderheiten der einzelnen Schriften, nicht der Mannigfaltigkeit der Lehrweiſen, noch der Verſchieden⸗ heit der geſchichtlichen Berichte konnte man gerecht werden, ohne mit jener dogmatiſchen Ausſage, was es um die göttliche Eingebung der heiligen Schrift ſei, in Widerſpruch zu kommen: ſie vertrug ſich, was die neuteſta⸗ mentliche Schrift anlangt, nur mit einer Evangelienharmonie, nicht aber mit den Evangelien, und nur mit einer Sammlung von Lehrbeweisſtellen, nicht aber mit den apoſtoliſchen Briefen. Eine nach ihr gebildete Vor⸗ ſtellung von der Schrift würde mit der Wirklichkeit derſelben nur eine ent⸗ fernte Aehnlichkeit haben.‘ “ Das iſt eben jetzt das Elend: wenn die Herren in der Bibel leſen und den Eindruck bekommen, daß das Geleſene menſchlichen Urſprung verrathe, ſo erſchrecken ſie nicht über ihr ungläubiges Herz, ſondern folgen dem