# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1886_S25 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1886. 25 Ganze ſehen, und dann wirſt du getroſt vom Baume eſſen. Das iſt auch das Motto der neueren Theologen: „Ja, ſollte Gott geſagt haben?“ Aber unſer Motto iſt: „Himmel und Erde werden vergehen, aber JEſu Worte werden nicht vergehen.“ O, danken wir doch Gott, daß er uns in dieſes freie Land geführt und hier die alte lutheriſche Kirche hat gründen, wachſen und ſtärken laſſen. O, laſſet uns ja nun feſthalten, was uns Gott aus Gnaden gegeben! Gott hat uns Großes anvertraut für uns ſelbſt und für die ganze Chriſtenheit. Ja, ja, auch für die ganze Chriſtenheit! Denn drüben hat man wohl früher auf uns herabgeſehen, wie auf Menſchen, die gar nicht competent ſeien, in ſolchen hochgelehrten Sachen mitzureden, und nach deren Urtheil kein ver⸗ nünftiger Menſch frage. Aber es ſteht jetzt anders. Unſer einfaches Glaubenszeugniß, das dürfen wir wohl zur Ehre Gottes ſagen, iſt durch die ganze Chriſtenheit gedrungen. O, darum laſſet uns treu im Bekennt⸗ niß ſein, dann wird ein immer größerer Segen ausgehen von unſerem fri⸗ ſchen, fröhlichen und tapferen Zeugniß. Denn man muß hier nicht bloß auf den Schaden ſehen, den der Teufel anrichtet, indem der Zweifel an der Göttlichkeit der heiligen Schrift durch die neueren Theologen noch neue Nahrung findet, ſondern man muß auch bedenken, welch ein großer Nutzen daraus entſteht, wenn wir feſt beim Worte Gottes ſtehen bleiben. Müſſen doch Solche, die ſelber nicht unſere Lehre von der Göttlichkeit der Schrift annehmen, bekennen, daß wir bei derſelben allerdings einen feſten Standpunkt haben, der uns erſt müßte genommen ſein, ehe wir gewiſſen Angriffen der Philoſophen zugänglich würden. Wie einſt ein Profeſſor der Philoſophie in einem Streite über eine Schriftſtelle ſeinem gläubigen Geg⸗ ner ſagte: Von Ihrem Standpunkt aus haben Sie ganz recht. Wenn nun einer der oben wörtlich angeführten Theologen den Satz ausgeſprochen hat, daß kein einziger namhafter Theolog in Deutſchland jetzt noch die altlutheriſche Lehre von der göttlichen Eingebung der heiligen Schrift als die ſeinige anerkenne, ſo wird man dieſen Satz leider wohl ſtehen laſſen müſſen. Würde es drüben Einer wagen, dieſen Satz umſtoßen zu wollen, man würde ihn ſchwerlich zu Worte kommen laſſen. Denn ſelbſt ein Philippi, der jetzt nicht mehr unter den Lebenden weilt, iſt, obwohl er am allerbeſten ſtand, hier nicht auszunehmen. Zum Beleg mögen hier noch einige Proben von namhaften Theologen der neueſten Zeit folgen. R. F. Grau ſchreibt: „Es haben die Theologen des 17. Jahrhunderts eine göttliche Art und Natur der heiligen Schrift gelehrt, welche, wie ſie nicht mit ihrer menſchlichen und geſchichtlichen Wirklichkeit ſtimmt, ſo auch keineswegs als eine wahrhaft göttliche Art ſich erweiſt. Das Göttliche in JEſu Chriſto erweiſt ſich gerade dadurch als wahrhaft göttlich, daß es ganz und gar in die menſchliche Wirklichkeit eingeht, in Geburt, menſch⸗ liches Wachsthum und Entwickelung, ja, Leiden und Sterben, ob es auch