# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1886_S22 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 22 Verhandlungen der elften Verſammlung Aber auch die ſogenannten poſitiven Theologen in Deutſchland haben durch die Bank die alte Lehre von der Göttlichkeit der heiligen Schrift preisgegeben. Kübel trägt in ſeiner Schrift „Ueber den Unter⸗ ſchied zwiſchen der poſitiven und der liberalen Richtung in der modernen Theologie“ kein Bedenken zu ſagen: „Die Inſpirationslehre der ortho⸗ doxen lutheriſchen Dogmatiker wird in ihrer ganzen Strenge von keinem modernen poſitiven Theologen mehr getheilt; ‚ſie iſt gefallen, ſagt Kah⸗ nis, und mit Recht.‘ (S. 288.)“ Zwar ſucht man in dieſem Lager noch den Schein zu wahren, als lehre man auch noch eine Göttlichkeit der heiligen Schrift, und mag damit ſich ſelbſt und Andere, die nicht tiefer ſehen, täuſchen. So unterſcheidet man wohl den Geiſt und die Form der Schrift, um eine göttliche und eine menſchliche Seite zu gewinnen. Davon ſchreibt Kübel a. a. O.: „Sie (die poſitiven Theologen) unterſcheiden den Geiſt und die Form; zu dieſer Form gehört aber durchaus und wirklich nur das eigentlich For⸗ melle, z. B. der Sprachcharakter, der Unterſchied von poetiſcher und pro⸗ ſaiſcher Darſtellung, ſodann aus der Kategorie der ‚Vorſtellungen‘ der hei⸗ ligen Schrift nur das, was zum bloßen Gefäß, das den göttlichen Inhalt beherbergt, gerechnet werden kann, möglicherweiſe z. B. pſychologiſche, vollends phyſikaliſche, geologiſche und dergleichen ‚Vorſtellungen' (und auch dieſe bei den conſequent Poſitiven nur mit gewiſſer Beſchränkung, ſiehe unten). Dieſe Form geben die modern Poſitiven mehr oder weniger als ſubjectiv-individualiſtiſches Eigenthum der menſchlichen Schriftſteller preis, und bekanntlich haben ſie ſchon hiermit die Linie der älteren Orthodoxie überſchritten, für welch letztere alle ſolche Unterſchiede einfach nicht exiſtir⸗ ten und Alles in der Bibel, bis auf den Buchſtaben hinaus, gleichſehr göttlich infallibel war.“ S. 105 f. Beck ſchreibt: „Auf die göttlichen Reichsgeheimniſſe erſtreckt ſie (die Theopneuſtie) ſich; auf das Aeußerliche und Menſchliche nur, ſoweit er mit Erſteren in weſentlichem Zuſammenhange ſteht.“ (Einl. in das Syſtem der chriſtl. Glaubenslehre.) Tweſten: „Zu weit ging man endlich, indem man allem und jedem in der Schrift eine unbedingte Infallibilität beilegte, ſodaß man nicht nur keinen bedeutenden*) Irrthum in Sachen des Glaubens und Lebens, ſondern auch keinen Gedächtnißfehler in Nebendingen, in chronologiſchen, topographiſchen und anderen Kleinigkeiten zugab.“ (Vorleſungen über die Dogmatik der ev.⸗luth. Kirche, S. 414.) Tholuck: „Werfen wir ſchließlich noch einen Blick auf die aus dieſen Unterſuchungen für das Inſpirations- und Offenbarungsdogma ſich er⸗ gebenden Reſultate, ſo wird eine Inſpirationsanſicht, nach welcher dem *) Vom Referenten unterſtrichen. Alſo unbedeutende Irrthümer ſollen ſelbſt in Sachen des Glaubens zuzugeben ſein!