# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1886_S21 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1886. 21 ſchichte fertig werdet, wie ihr ohne ſie eine pragmatiſche Erklärung der als thatſächlich feſtſtehenden Geſchichtserfolge zu Stande bringt, für die wir Anderen in den Wundern den Schlüſſel beſitzen. Ich für meine Perſon nehme ja die Wunder nicht etwa aus dogmatiſcher Cupidität an, ſondern im hiſtoriſchen Intereſſe, deshalb weil ich bei gewiſſen unzweifelhaften Geſchichtsthatſachen ihrer als hiſtoriſcher Erklärungsgründe nicht entbehren kann, — nicht weil ſie mir die Geſchichte durchlöchern, ſondern gerade um über die klaffenden Riſſe in ihr hinüber zu kommen. Deshalb ſtimme ich ungeachtet meines decidirten Wunderglaubens doch aufrichtig in Weiße's Warnung ein, daß man das Geſchlecht unſerer Tage doch ja nicht dem chriſtlichen Glauben vollends entfremden wolle durch An⸗ muthung der Anerkennung der bibliſchen Wunder. Es verhält ſich in der That ſo, wie er ſchreibt: „Unter der, Gott Lob! nicht ſo gar kleinen Zahl der Zeitgenoſſen, in denen noch warme und auch wirklich chriſtliche Frömmigkeit lebt, hat die große Mehrzahl eine inſtinctmäßige Appercep⸗ tion wider die Wunder, die ja auch begreiflich genug iſt in Folge des Ent⸗ wickelungsganges, den die geiſtige Bildung unter uns während des letzt⸗ vergangenen Jahrhunderts genommen hat.“ (Bei Philippi I, S. 328 f.) Hier ſehen wir ja deutlich und offen ausgeſprochen, was man will, wenn man dies und das in der heiligen Schrift als nicht zu den Dingen gehörig, die ein Chriſt annehmen müſſe, ausnimmt und ſomit die Göttlich⸗ keit der heiligen Schrift beeinträchtigt. Man will der menſchlichen Ver⸗ nunft, dem vom Unglauben durchfreſſenen Geſchlecht unſerer Tage Con⸗ ceſſionen machen, bedenkt dabei aber nicht, daß durch ſolche Zugeſtändniſſe auf Koſten der Wahrheit noch nie ein wahrer Gewinn erzielt worden iſt, daß vielmehr der Unglaube ein Stück nach dem andern fordert, eine Schriftwahrheit nach der andern deſtruirt, bis eben kein Zugeſtändniß mehr gemacht werden kann, weil nichts mehr übrig iſt. Auch Rothe nimmt ja die Wunder der Bibel nicht an, weil ſie in der Schrift ſtehen, ſondern weil er ſie als „hiſtoriſche Erklärungsgründe nicht entbehren kann“. Daß aber mit der Drangabe irgend eines Stückes der heiligen Schrift, mit dem Zugeſtändniß, daß die heiligen Schreiber in irgend einem Punkte geirrt hätten, die Göttlichkeit der ganzen Schrift aufgegeben werde, erkennt Schenkel ganz rückhaltlos an, wenn er a. a. O. S. 14 ſchreibt: „Wird ... auch nur der kleinſte Irrthum in den evangeliſchen Schriften zugegeben, ſo fällt die Vorausſetzung ihrer Unfehlbarkeit ſofort in ſich ſelbſt zuſammen. Die Ausflucht, daß dem heiligen Geiſt in unerhebliche⸗ ren Punkten wohl ein Irrthum zugeſtoßen ſein könne, und daß es genüge, wenn dies nur in wichtigeren nicht der Fall ſei, iſt ebenſo unglücklich als unwürdig. Sie läßt außer Acht, daß, wenn der Irrthum in einem Punkte zugelaſſen wird, er überall zuläſſig iſt, und daß, wer im Kleinen nicht treu iſt, auch kein Recht hat, den Glauben an ſeiner Treue im Großen zu fordern.“