# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1886_S19 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1886. 19 geſchichtliche Urkunde des urſprünglichen religiöſen Bewußtſeins von Gottes Wort.“ (Dogm. § 199.) Nach Lipſius (S. 154) gibt es überhaupt „keine unmittelbar göttliche, nach Form und Inhalt unfehlbare Lehre, ſondern immer nur ein in fehlbares Menſchenwort eingekleidetes Gotteswort“, ihm iſt die heilige Schrift die „durch das geſchichtliche Urtheil der chriſtlichen Kirche ausgewählte Samm⸗ lung authentiſcher Urkunden ihres urſprünglichen Geiſtes“. (Dogm. § 193.) Schon Schenkel theilte die Theologen in zwei Heerlager; er ſchreibt: „Noch ſtehen ſich bis auf den heutigen Tag in Betreff der vier kanoniſchen Evangelien zwei Anſichten ſchroff gegenüber. Die erſte iſt die kirchlich befangene, welche von der Vorausſetzung ausgeht, daß dieſelben ſchlechter⸗ dings zuverläſſige Nachrichten enthalten und in Betreff ihrer geſchichtlichen Glaubwürdigkeit an ſich ſchon über jeden Zweifel erhaben ſind. Dieſer Vorausſetzung ſelbſt liegt die Annahme zu Grunde, daß die Verfaſſer der Evangelien (wie die Verfaſſer der heiligen Schrift überhaupt) bei dem Niederſchreiben ihrer Schriftwerke durch eine ſchlechthin übernatürliche Einwirkung des heiligen Geiſtes vor jeglichem Irrthum bewahrt worden ſeien. . . . Die dieſer entgegenſtehende andere Anſicht iſt die wiſſen⸗ ſchaftlich unbefangene. Sie betrachtet die Evangelien als lebendige Hervorbringungen ihrer Verfaſſer und ihrer Zeit; ſie ſucht ſie zu begreifen aus der Eigenthümlichkeit ihrer Darſteller und ihres Inhalts, aus ihrem ſchriftſtelleriſchen Charakter, aus ihrer wahrſcheinlichen Beſtimmung, aus der vermuthlichen Abſicht, in welcher ſie entworfen ſind. Sie unterſucht die Glaubwürdigkeit, die Echtheit, die Wahrſcheinlichkeit, die innere Zu⸗ ſammengehörigkeit ihrer Mittheilungen. . . . Nichts iſt einleuchtender, als daß dieſe beiden Standpunkte ſich mit einander nicht vertragen. . . . Daß die eben beſchriebene wiſſenſchaftlich unbefangene Anſicht von den evangeliſchen Urkunden für den Darſteller des Charakterbildes Jeſu auch ihre nicht geringen Unzuträglichkeiten mit ſich führt, läßt ſich allerdings nicht beſtreiten. Auch die unbefangene Forſchung hat über den geſchicht⸗ lichen Werth und die ſchriftſtelleriſche Glaubwürdigkeit der evangeliſchen Urkunden zu weſentlich verſchiedenen Ergebniſſen geführt; ja, es hat nicht an Forſchern gefehlt, welche denſelben beinahe alle Glaubwürdigkeit ab⸗ geſprochen haben. Würden wir die letztere Anſicht theilen, dann wäre der Verſuch, ein Charakterbild Jeſu entwerfen zu wollen, von vorneherein ver⸗ lorne Mühe. Von einer derartigen Unzuverläßlichkeit jener Urkunden haben wir uns nun aber keineswegs zu überzeugen vermocht. Dieſelben ſind, wie alle urſprünglichen Quellenberichte über Thatſachen, welche die einſeitige und ſpannende Theilnahme eines engeren Kreiſes von Zeitge⸗ noſſen leidenſchaftlich erregt und heftige Parteiungen entzündet haben, ver⸗ ſchiedentlich perſönlich gefärbt; ihre Mittheilungen ſind von ungleichem geſchichtlichem Werthe.“ (Das Charakterbild Jeſu. 2. Aufl. S. 14 f.) Er unterſucht, was an den Evangelien glaubwürdig iſt, und ſetzt da⸗