# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1886_S18 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 18 Verhandlungen der elften Verſammlung gelium. Die Kirche hat kein Zeugniß von Chriſto außer dem Worte. Wo nicht das geſchriebene Wort redet, ſoll ſie ſchweigen, und ſie thut es auch. Als Braut Chriſti meidet ſie alles, was nicht das geſchriebene Wort ſagt. Daß auch hier in Amerika dieſe Anſicht der neueren Theologen ſpukt, ſehen wir aus einem Beiſpiel innerhalb des ſogenannten New Yorker Miniſteriums. Als da Einer auftrat und ſagte: „Der Glaube fließt aus der Wahl“, da trat ein Anderer auf und ſprach: „Zeige mir eine einzige Stelle dafür.“ Jener erwiderte: „Haben Sie nicht geleſen Apoſt. 13, 48.: ‚Und wurden gläubig, wie viel ihrer zum ewigen Leben verordnet waren‘?“ Darauf antwortete dieſer: O, das ſchreibt ja bloß Lucas, das iſt die An⸗ ſicht des Lucas! — In dieſem Manne ſteckt offenbar etwas von neuerer Theologie. — Man kann dieſe Reden der Neueren auffaſſen als eine thatſächliche Bankerott⸗Erklärung. Denn wer ſo ſteht, hat nach ſeiner Lehre keine Bibel mehr, mit welcher ſich zur Grundlegung eines chriſtlichen Glaubens etwas anfangen läßt. Und doch ſoll es noch Leute geben, die glauben. Da muß denn etwas anderes als Grund des Glaubens angegeben werden. Und ſo ſchließt denn ein Kahnis den erſten Band ſeiner Dogmatik, in welchem er ausführ⸗ lich von der Inſpiration handelt, mit folgenden Worten: „Nicht auf die Inſpiration und Authentie der Schrift, nicht auf dogmatiſche Begriffe, nicht auf wiſſenſchaftliche Vermittelung, ſondern auf die Lebensthatſache ſeiner realen Gemeinſchaft mit Gott durch Chriſtum ſtellt der wahre Chriſt ſein Chriſtenthum.“ (Luth. Dogm. I, S. 674 ult.) Was heißt das: „Die Lebensthatſache ſeiner realen Gemeinſchaft mit Gott durch Chriſtum“? Das heißt doch, wenn es etwas heißt, „ſein Chriſtenthum“. Das iſt alſo das ſauer erarbeitete Reſultat, bei dem Kahnis ankommt, daß der wahre Chriſt ſein Chriſtenthum ſtellt auf — ſein Chriſtenthum. Einen Anſatz zu der Auffaſſung, daß der Chriſten Glaube ſich gründe auf das mündliche Zeugniß der Kirche, hatte früher auch Philippi, der zwar die Schrift für die einzige Norm, aber nicht auch für die einzige Quelle wollte gelten laſſen, ſondern neben ihr auch noch die Stimme der Chriſtenheit ſetzte. Doch hat er in ſpäteren Ausgaben ſeiner Dogmatik dieſen Standpunkt verlaſſen und ſagt: Wie die Schrift Norm iſt, gerade ſo muß ſie auch Quelle des chriſtlichen Glaubens ſein; die Kirche hat keine andere Stimme als die Schrift. In einer Schrift neueren Datums handelt Prof. Kübel in Tübingen über den Unterſchied zwiſchen den poſitiven und liberalen Theologen und läßt da beide zu Wort kommen. Als Liberalen führt er Lipſius auf, welcher alſo redet: „Die heilige Schrift iſt weder ganz noch zu irgend einem beſtimmten Theil unmittelbar ſelbſt Gottes Wort, ſondern nur die